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Mönchspfeffer ist kein Allheilmittel. Lies, wozu er laut wissenschaftlicher Meinung gut ist.

Mönchspfeffer wird seit über 2.500 Jahren genutzt, um eine Vielzahl von gynäkologischen Leiden zu behandeln. Er ist bis heute nach wie vor als Heilkraut für eine große Bandbreite von Menstruationsbeschwerden beliebt. Im mittelalterlichen Europa nutzten im Zölibat lebende Mönche diese Pflanze wegen ihrer angeblichen Wirkung der Abschwächung des Geschlechtstriebs[1.Czygan FC, Mayer JG. Vitex agnus-castus L, der oder das Keuschlamm. Ein kulturhistorischer essay. http://www.klostermedizin.de/html/moenchspfeffer.html.]. In den letzten Jahrzehnten wurde Mönchspfeffer in Europa vorwiegend zur Behandlung von PMS[2.Blumenthal M. German Federal Institute for Drugs and Medical Devices. Commission E. Herbal Medicine: expanded Commission E monographs. 1st ed. Newton, Mass.: Integrative Medicine Communications, 2000.], zyklusbedingten Brustschmerzen, unregelmäßigen Menstruationszyklen und Unfruchtbarkeit genutzt. Er wird sehr häufig von Gynäkologen in Deutschland verschrieben[3.Schilcher H. Phytotherapy and classical medicine. Journal of Herbs, Spices, and Medicinal Plants. 1994;2:71–80.].

Doch gibt es Beweise für die Wirksamkeit von Mönchspfeffer und für welche Beschwerden er sich am besten eignet? Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Studien, die mit Mönchspfeffer als Mittel zur Behandlung verschiedener Menstruationsbeschwerden durchgeführt wurden.

Was ist Mönchspfeffer?

Mönchspfeffer oder Agnus Castus wird auch Keuschlamm genannt und ist die Frucht des Keuschlammstrauches. Der Strauch ist im westlichen Asien und südwestlichen Europa beheimatet und mittlerweile auch häufig in den südöstlichen USA vertreten.

Wie wirkt Mönchspfeffer?

Der Wirkmechanismus des Mönchspfeffers ist nur teilweise bekannt. Er scheint eine indirekte Wirkung auf verschiedene Hormone zu haben, besonders auf Prolaktin und Progesteron. Es gibt mehrere verschiedene Theorien dazu, wie das abläuft:

  1. Bindung von Dopaminrezeptoren, wodurch die Sekretion von Prolaktin durch die Hypophyse verringert wird, was wiederum das Östrogen und das Progesteron hemmt[4.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12809367].
  2. Bindung von Opioidrezeptoren, wodurch die Sekretion des Gonadotropin freisetzenden Hormons verringert wird[5.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2993511/].
  3. Mönchspfeffer enthält viele östrogenähnliche Bestandteile, die sich auf den Menstruationszyklus auswirken[6.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18415863].

Je nach Dosis kann Mönchspfeffer viele verschiedene Wirkungen zeigen. Niedrige Dosen von Mönchspfeffer führten zu einer niedrigeren Östrogenkonzentration und höheren Progesteron- und Prolaktinkonzentrationen — möglicherweise infolge einer Hemmung der Freisetzung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und des luteinisierenden Hormons (LH). [7.Mills S, Bone K. Principles and practice of phytotherapy: modern herbal medicine. Edinburgh: Churchill Livingstone, 2000.].

Bei manchen Studien, in denen höhere Dosen von Mönchspfeffer verabreicht wurden, änderten sich die FSH- und LH-Konzentrationen nicht,[8.Mills S, Bone K. Principles and practice of phytotherapy: modern herbal medicine. Edinburgh: Churchill Livingstone, 2000.], stattdessen verringerte sich aber die Prolaktinkonzentration.

Ja: Hyperprolaktinämie

Das ist ein Leiden, bei dem erhöhte Konzentrationen von Prolaktin die Freisetzung von Östrogen und Progesteron unterdrücken, was normalerweise geschieht, wenn eine Frau stillt. Außerhalb der Stillzeit kann Hyperprolaktinämie auch auftreten, wenn jemand einen gutartigen Hypophysentumor (auch Mikroadenom) hat. In diesen Fällen wird manchmal das Arzneimittel Bromocriptin verschrieben, doch Mönchspfeffer scheint genauso gut zu wirken[9.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4528347/].

Ja: PMS und Brustschmerzen

Bei klinischen Versuchsreihen zur Behandlung von PMS verringerte Mönchspfeffer nach eigener Einschätzung der Probandinnen Symptome wie Brustschmerzen, Blähungen, Verstopfung und Reizbarkeit[10.Blumenthal M. German Federal Institute for Drugs and Medical Devices. Commission E. The complete German Commission E monographs: therapeutic guide to herbal medicines. Austin, Tex.: American Botanical Council, 1998.].

Bei einer jüngeren prospektiven, doppelblinden, randomisierten klinischen Versuchsreihe hoher Qualität erhielten 170 Frauen, die mit PMS diagnostiziert worden waren, über drei Menstruationszyklen hinweg entweder Mönchspfeffer oder ein Placebo. Die Symptome verringerten sich bei mehr als der Hälfte der Frauen, die Mönchspfeffer einnahmen, um mindestens 50 Prozent[11.Schellenberg R. Treatment for the premenstrual syndrome with agnus castus fruit extract: prospective, randomised, placebo controlled study. BMJ. 2001;322:134–7.].

Eine andere placebokontrollierte, doppelblinde Versuchsreihe mit 104 Frauen, die über mindestens drei Zyklen hinweg Mönchspfeffer einnahmen, zeigte eine Verbesserung bei zyklusbedingten Brustschmerzen[12.Wuttke W, Splitt G, Gorkow C, et al. Treatment of cyclical mastalgia: results of a randomised, placebo-controlled, double-blind study. Geburtshilfe Frauenheilkd. 1997;57:569–74.].

Vielleicht: Unregelmäßige Zyklen

Es gibt nicht genug qualitativ hochwertige Studien, die zeigen würden, dass Mönchspfeffer die Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus verbessern kann. Die Studien, die es dazu gibt, sind klein und haben nur mäßige Ergebnisse erbracht.

Bei einer kleinen Studie mit 96 Frauen mit verschiedenen Fruchtbarkeitsstörungen (38 Frauen hatten eine sekundäre Amenorrhö, 31 hatten einen Lutealphasendefekt und 27 litten unter unerklärter Unfruchtbarkeit) zeigte sich, dass unter den Patientinnen, die Mönchspfeffer erhielten, mehr Befruchtungen stattfanden als unter denjenigen, die ein Placebo einnahmen. Die Hormonspiegel unterschieden sich bei der Behandlungsgruppe und der Placebogruppe nicht. Bei den Frauen mit Amenorrhö und Lutealphasendefekt kam es jedoch doppelt so oft zur Schwangerschaft als bei der Placebogruppe.

Allerdings war die Gesamtzahl der Patientinnen, die schwanger wurden, klein (15 Frauen). Die Behandlung wurde nur über drei Monate durchgeführt und das Produkt, das bei der Studie verwendet wurde (Mastodynon, nicht in den USA erhältlich) ist eine Kräutermischung, die neben Mönchspfeffer noch fünf weitere Inhaltsstoffe enthält[13.25. Gerhard I, Patek A, Monga B, Blank A, Gorkow C. Mastodynon (R) bei weiblicher Sterilitat. Forsch Komplementarmed. 1998;5:272–8.].

Vielleicht: Lutealphasendefekt

Bei einer kleinen Studie, an der 52 Patientinnen mit Lutealphasendefekten teilnahmen, stellte man bei der Behandlungsgruppe eine Verbesserung der Progesteronsynthese und höhere Estradiolwerte während der Lutealphase fest. Diese Studie unterstützt die Verwendung von Mönchspfeffer bei Lutealphasendefekten, aber es wurde keine Aussage über eine Wirkung auf die Fruchtbarkeit getroffen[14. Milewicz A, Gejdel E, Sworen H, Sienkiewicz K, Jedrzejak J, Teucher T, et al. Vitex agnus castus extract in the treatment of luteal phase defects due to latent hyperprolactinemia. Results of a randomized placebo-controlled double-blind study. Arzneimittelforschung. 1993;43:752–6.].

Eine jüngere doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 30 Frauen zeigte höhere Progesteronwerte in der mittleren Lutealphase und eine erhöhte Zahl von Schwangerschaften bei den 15 Frauen, die fünf Monate lang eine Nahrungsergänzung einnahmen, die Mönchspfeffer enthielt[15.Westphal LM, Polan ML, Trant AS, Mooney SB. A nutritional supplement for improving fertility in women: a pilot study. J Reprod Med. 2004;49:289–93.].

Nein: Hypothalamische Amenorrhö

Es gibt keine Nachweise dafür, dass Mönchspfeffer den Monatszyklus wiederherstellen kann, wenn bei einer Frau wegen einer hypothalamischen Amenorrhö  Regelblutungen ausbleiben. Manche Leute empfehlen, Mönchspfeffer einzunehmen, um eine Erhöhung der Progesteronwerte zu stimulieren, doch bei einem normalen Monatszyklus erhöht sich der Progesteronwert nur nach dem Eisprung. Demnach wären höhere Anfangswerte von Progesteron nicht hilfreich, im Gegenteil: einige Studien an Primaten deuten darauf hin, dass sie sogar den Eisprung verhindern könnten.

Lies mehr dazu, warum Mönchspfeffer bei hypothalamischer Amenorrhö nicht empfohlen wird.

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