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Folat versus Folsäure: Wie du erkennst, was besser für dich ist

Viele Frauen wissen bereits, dass Folat eines der wichtigsten pränatalen Vitamine ist, die man während der Schwangerschaft einnehmen sollte. Ohne eine ausreichende Versorgung mit diesem Vitamin kann sich das Neuralrohr (das sich zur Nabelschnur des Fötus weiterentwickelt) nicht schließen, was zu Geburtsdefekten wie Spina bifida und sogar zu einer spontanen Fehlgeburt führen kann.

Wir sind also alle einer Meinung, dass Folat für die Ernährung einer schwangeren Frau wichtig ist, nicht wahr?

Um ehrlich zu sein, nein.

Es gibt recht viele kontroverse Meinungen, die besagen, dass die synthetische Version namens Folsäure entgegen der natürlichen Version namens Folat schädlich sein könnte, insbesondere, wenn bestimmte genetische Risikofaktoren vorliegen, wie zum Beispiel eine MTHFR-Mutation.

Obwohl also so gut wie jeder zustimmt, dass Folat wichtig ist, hat die kontroverse Diskussion rund um Folat versus Folsäure hinsichtlich der Auswahl des besten pränatalen Vitamins zur Verwirrung geführt. Dieser Artikel deckt Folgendes ab:

  • Was ist Folat?
  • Warum ist Folat für die Fruchtbarkeit wichtig?
  • Worum geht es bei der Kontroverse zu Folat versus Folsäure?
  • Welche Rolle spielt eine genetische MTHFR-Variation bei dieser Kontroverse?

Was ist Folat?

„Folat“ bezeichnet im weitesten Sinne sowohl die synthetische als auch die natürliche Version des Vitamins.

Die synthetische Version, auch Folsäure genannt, wird häufig in Vitaminpräparaten verwendet, die pränatale Vitamine enthalten und wird von Gesundheitsbehörden auch als Zusatzstoff zu Getreideprodukten, Frühstücksflocken und Brot empfohlen.

Die diätetischen Formen von Folat sind Monoglutamatfolat und Polyglutamatfolat, die man in grünem Blattgemüse und in Hülsenfrüchten findet.

Wenn du biologische Substanzen wie Zucker und Nährstoffe zu dir nimmst, muss dein Körper sie in eine Form transformieren (oder metabolisieren), die als Energie genutzt werden kann. Darmzellen transformieren Folat aus der Nahrung bereitwillig in eine Form des Folats, die man als 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF) bezeichnet. Diese Version des Vitamins sieht man unter der Bezeichnung „Folat“ oder „natürliches Folat“ in Geschäften. Es ist ein Vitamin, das im Blutstrom zirkuliert.

Warum ist Folat für die Fruchtbarkeit wichtig?

Sobald das 5-MTHF im Blut ist, wirkt es im Grunde als ein Molekül-Bus, der verschiedene Passagiere transportiert, in diesem Fall Methylgruppen und Kohlenstoffgruppen, und sie an verschiedenen Haltestellen aussteigen lässt:

  • Die Haltestelle Homocystein: 5-MTHF kann Methylgruppen am Molekül Homocystein abladen. Dadurch transformiert sich dann das Homocystein zu Methionin, was ein wichtiger Baustein für Proteine ist.

Das ist wichtig, denn wenn die Folatwerte niedrig sind, baut sich zu viel Homocystein auf und wird nicht in Methionin umgewandelt, und dieses zusätzliche Homocystein kann für Zellen giftig sein.

  • Die DNA-Synthese stoppt: 5-MTHF kann Kohlenstoffgruppen abladen, um Purine und Pyrimidine (die Bausteine der DNA) zu bilden.

Beide Prozesse sind für die anfängliche Entwicklung des Fötus und des Neuralrohrs wichtig, die in den ersten Wochen der Schwangerschaft stattfindet. Aus diesem Grund werden Frauen aufgefordert, pränatale Vitamine einzunehmen, sogar schon bevor sie schwanger werden, damit schon zum Zeitpunkt der Empfängnis genügend Folat vorhanden ist.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass Folat nicht nur für werdende Mütter wichtig ist, sondern auch für werdende Väter. Da Folat für die Bildung von DNA und Protein wichtig ist, ist es auch für die Bildung eines gesunden Spermas wichtig[1.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18353905].

Warum ist Folat für meine Allgemeingesundheit wichtig?

Der Aufbau von Proteinen und DNA ist im Verlauf des ganzen Lebens für viele biologische Prozesse unverzichtbar. Nicht nur während der Zeit, in der die Frau versucht, schwanger zu werden. Folat ist also wichtig für dein allgemeines Wohlbefinden und das nicht nur während der Schwangerschaft. Folatmangel wird mit Anämie[2.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17568057] und Depression in Verbindung gebracht[3.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14960902].

Inwieweit unterscheidet sich Folsäure von Folat?

Wenn wir 5-MTHF als einen Molekül-Bus betrachten, dann ist die Folsäure genauso ein Bus, doch mit einer chemischen Radkralle. Sie kann all die Dinge tun, die 5-MTHF tut, doch sie ist im Grunde nutzlos, solange die Kralle nicht entfernt wird.

Wie wird dein Körper diese Kralle los? Dies erfolgt in zwei Schritten:

  • Schritt Eins: Folsäure wird in Tetrahydrofolat  umgewandelt, wozu das Leberenzym Dihydrofolatreduktase genutzt wird.
  • Schritt Zwei: Tetrahydrofolat wird in das bioaktive 5-MTHF umgewandelt, wozu ein anderes Leberenzym namens Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR) genutzt wird.

Worin liegt also das Problem bei der Verwendung von Folsäure?

Wenn diese beiden Leberenzyme vorhanden sind, um die chemischen Umwandlungen zu vollziehen — prima! Dann wird die Radkralle entfernt und die Folsäure ist in der Lage, all das zu tun, was 5-MTHF tut.

Das Problem ist: Diese Enzyme sind nicht immer verfügbar, um all die Folsäure zu verarbeiten, die du einnimmst.

Während des ersten Schrittes kann das Enzym relativ leicht überfordert sein und seine Verarbeitung der Folsäure verlangsamen[4.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24944062]. Das ist problematisch, weil die synthetische Version als Zusatz zu Getreideprodukten, Frühstücksflocken und Broten sowie in marktüblichen Vitaminen und Multivitaminen schon weit verbreitet ist. Wenn das Enzym beim ersten Schritt überfordert ist, sammelt sich nicht metabolisierte Folsäure (UMFA) an, die mit einer erhöhten Krebsgefahr in Verbindung gebracht wird (darauf gehen wir weiter unten genauer ein).

Ist Folsäure für Menschen mit einer MTHFR-Mutation gefährlich?

Beim zweiten Schritt ist das Enzym MTHFR für die abschließende Umwandlung von Folsäure zu 5-MTHF wichtig. Das Problem dabei ist, dass verschiedene genetische Varianten von MTHFR sich darauf auswirken können, wie gut dieses Enzym seine Funktion ausüben kann.

Die DNA ist im Grunde ein Strang von Nukleotiden, die die Bausteine der DNA darstellen. Das MTHFR-Gen besitzt eine sehr lange Reihe dieser Nukleotide. Das Nukleotid, auf das wir uns konzentrieren müssen, ist das Nukleotid Nummer 677. Da kann es nämlich zum sogenannten Polymorphismus oder genetischen Umtausch von Nukleotiden kommen.

Wenn du die C677C-Variante hast, wird das MTHFR normal codiert.

Wenn du die C677T-Variante hast, bringt das MTHFR nur etwa 65 % der normalen Aktivität zustande.

Wenn du T677T hast, zeigt das MTHFR nur etwa 30 % der normalen Aktivität.

Obwohl es also nur ein einzelnes Nukleotid ist, hat es einen tiefgehenden Einfluss darauf, wie gut der Körper Folsäure verarbeiten kann. Wenn du die Variante C677T oder T677T hast, dann bedeutet das, dass bei dir ein höheres Risiko vorhanden ist, dass sich UMFA ansammelt, was letztendlich zu einem erhöhten Krebsrisiko und einem erhöhten Risiko von Gefäßerkrankungen führen kann[5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24091066].

Die Varianten C677T und T677T werden auch mit einem erhöhten Risiko von Neuralrohrdefekten in Verbindung gebracht. Interessanterweise kommt es bei Menschen mit der Variante T677T (derjenigen mit der geringsten Aktivität des MTHFR-Enzyms) zu einer Erhöhung der Folatwerte, wenn sie eine Dosis 5-MTHF und keine Folsäure einnehmen. Man sollte festhalten, dass bei der Studie nur untersucht wurde, wie die Folatwerte nach einer einmaligen Behandlungsdosis aussahen und dass keine tägliche Verabreichung stattfand. Daher ist nicht klar, wie aussagekräftig dieses Ergebnis ist, wenn man täglich Multivitamine einnimmt oder eine Ernährung wählt, die reich an Folsäure ist[6.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14769778].

Sollte ich statt Folsäure lieber 5-MTHF einnehmen?

To answer that question, you’re going to have to think about your own personal risk assessment. Here’s why: there is good clinical evidence that 5-MTHF and folic acid are equally beneficial (and some evidence that 5-MTHF is even better) in improving folate status in women[7. Studies measuring folate status usually measure folate levels in red blood cells—which is indicative of long-term folate status—or in the plasma of blood—which is indicative of short-term folate status. So, if you recently changed your diet, this would show up as a transient change in your plasma folate.

But, if you had a chronic condition that reduced folate levels for several months, it would show up in your red blood cells. One study randomly assigned adult women to 24 weeks of 416 μg of 5-MTHF, 400 μg of folic acid, or placebo (meaning no 5-MTHF or folic acid) treatments. While both interventions increased red blood cell folate levels in comparison to placebo, 5-MTHF supplementation did so to a greater extent than the folic acid supplement. Both interventions did equally well in increasing plasma folate levels in comparison to a placebo. The study also randomized women with the three different MTHFR polymorphisms across all of these groups. So, while either of these treatments can improve folate levels in the short-term, 5-MTHF had a greater impact on long-term folate status[8.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16825690]. Das einzige Problem ist: Der Nachweis, dass 5-MTHF ein gutes Mittel zur Verbesserung der Folatwerte ist, stellt NICHT gleichzeitig einen Nachweis dafür dar, dass 5-MTHF Neuralrohrdefekte verhindert.

Niedrige Werte des mütterlichen 5-MTHF erhöhen das Risiko von Geburtsdefekten und Folsäure schützt wahrscheinlich vor solchen Entwicklungen, weil sie sich zu 5-MTHF verwandelt[9.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23482308]. ABER es gibt noch keine klinischen Daten, die definitiv besagen, dass die Einnahme von 5-MTHF ebenso gut vor Neuralrohrdefekten schützt wie Folsäure. Warum gibt es keine Daten? Wegen ethischer Bedenken.

Um wirklich diesen Teil der Debatte um Folat versus Folsäure zu beantworten, müssten die Wissenschaftler stichprobenartig Frauen auswählen, denen 5-MTHF, Folsäure oder Placebo verabreicht wird.

Nach der Behandlung würde dann die sich ergebende Anzahl von Neuralrohrdefekten verglichen werden. Bei diesem hypothetischen Experiment wären die Frauen und ihre Babys, die Placebo erhalten und möglicherweise auch diejenigen, die 5-MTHF erhalten, einer ernsten gesundheitlichen Gefahr ausgesetzt. Aus ethischer Sicht ist dieses Experiment also einfach nicht machbar.

Ohne dieses Experiment ist es jedoch schwer, mit Sicherheit zu sagen, dass eine Zufuhr von 5-MTHF genauso vor Neuralrohrdefekten schützt wie Folsäure. Da es bereits Nachweise dafür gibt, dass Folsäure zur Verringerung von Neuralrohrdefekten führt[10.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24007422], besteht Grund genug, sie einzunehmen. Wenngleich die logische Erklärung, warum man 5-MTHF einnehmen sollte, vernünftig klingt, bedeutet das Fehlen von experimentellen Nachweisen, dass diese Wahl mit einem höheren Risiko verbunden ist.

Nebenbemerkung: Eine interessante Studie verglich Folsäure und 5-MTHF bei Frauen, die vor Kurzem entbunden hatten und stillten, da in dieser Situation keine ethischen Bedenken gegeben sind. Interessanterweise fanden die Wissenschaftler heraus, dass 5-MTHF für den langfristigen Folatspiegel vorteilhafter war als Folsäure (für die Verbesserung des vorübergehenden Folatwertes waren beide Behandlungen gleichermaßen gut)[11.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16600937]. Das ist wichtig, weil manche Frauen nach der Geburt aufhören, pränatale Vitamine einzunehmen, doch die Laktation kann die Folatwerte verringern und daher ist die Einnahme von 5-MTHF für stillende Mütter möglicherweise vorteilhafter als Folsäure.

Zusammenfassend kann man sich merken: Die ergänzende Einnahme von 5-MTHF scheint im Allgemeinen ebenso wirksam für die Folat-Biomarker bei Frauen zu sein wie Folsäure (oder sogar besser). Die Wissenschaft kann aber keine definitive Aussage darüber treffen, was dies für Neuralrohrdefekte bedeutet. Du solltest diese Entscheidung daher gemeinsam mit deinem Arzt treffen.

Ich möchte mir alle diese Nachweise selbst ansehen und dann entscheiden, was ich tun werde. Worauf sollte ich bei den Daten achten?

Da du nun mehr über die Kontroverse weißt, interessierst du dich vielleicht dafür, die klinischen Belege selbst zu lesen, damit du mit deinem Arzt sprechen und eine auf Nachweisen basierende Entscheidung treffen kannst — das ist immer eine gute Idee!

Hier sind einige Fragen, die dich bei deinen wissenschaftlichen Nachforschungen leiten und dich zu den richtigen eigenen Schlussfolgerungen führen werden:

  • „Gab es bei dieser Studie eine Kontrollgruppe, der ein Placebo verabreicht wurde?“ Das ist ein wirklich wichtiger Bestandteil einer guten Versuchsreihe. Wenn es keine Kontrollgruppe gab und kein Placebo eingesetzt wurde, kann man nicht feststellen, inwieweit die experimentelle Behandlung für das Ergebnis ausschlaggebend war.
  • „Wer waren die Probanden/innen?“ Manche Studien werden nur an Männern durchgeführt, andere nur an Frauen. Andere Studien schließen vielleicht Personen mit MTHFR-Mutationen aus. Beachte, wer die Probanden/innen waren, da dies einen Einfluss darauf hat, inwieweit die Daten für dich relevant sind.
  • „Wie lange wurde die Behandlung durchgeführt?“ Manche Studien messen eine einmalige Dosis von Folat und bei anderen Studien wird die Behandlung über mehrere Wochen hinweg durchgeführt. Diese zeitlichen Unterschiede können die Größenordnung der beobachteten Veränderungen bei den Folatwerten beeinflussen, daher ist die Berücksichtigung des Zeitfaktors wichtig.
  • „Wurde bei den Studien das Folat im Plasma oder in den roten Blutzellen gemessen?“ Die Beantwortung dieser Frage wird dir Aufschluss darüber geben, wie wichtig das Experiment für die kurz- oder langfristigen Veränderungen beim Folat war. Kurzfristige Veränderungen zeigen sich an der Folatmenge im Plasma, wogegen langfristige Veränderungen beim Folat sich an den Werten in den roten Blutzellen zeigen.

Glossar

  • 5-MTHF: Die bioaktive Version des Vitamins, die allein durch das Essen folatreicher Nahrung in den Darmzellen entsteht.
  • Dihydrofolatreduktase: Das Leberenzym, das Folsäure auf chemische Weise zu Tetrahydrofolat reduziert.
  • Folsäure: Die synthetische Version des Vitamins, die man in pränatalen Vitaminen und in den meisten rezeptfreien Vitaminpräparaten findet. Sie wird auch Getreideprodukten, Broten und Frühstücksflocken hinzugefügt.
  • Homocystein: Das Molekül, das Folat in Methionin, einen Proteinbaustein, umwandeln kann. Zu viel Homocystein kann für Zellen gefährlich sein und kann zu der Erkrankung Homocystinurie führen. Homocystein und Folat sind normalerweise umgekehrt proportional zueinander; das heißt, wenn der Folatwert niedrig ist, ist der Homocysteinwert in der Regel hoch.
  • MTHFR-Mutation: Je nach der konkreten Variante dieses Gens können ein oder zwei Ts eine reduzierte Aktivität dieses Enzyms bedeuten.
  • Monoglutamatfolat und Polyglutamatfolat: Diese natürlich vorkommenden Formen von Folat findet man in Nahrungsmitteln wie Hülsenfrüchten und Blattgemüse.
  • Tetrahydrofolat: eine Zwischenversion von Folat zwischen Folsäure und 5-MTHF.
  • Nicht metabolisierte Folsäure: Wenn Folsäure von der Leber nicht in 5-MTHF umgewandelt werden kann, sammelt sie sich im Körper an und wird mit dem Urin als nicht metabolisierte Folsäure ausgeschieden.

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