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Falscher negativer Schwangerschaftstest: Gibt es den Hook-Effekt wirklich?

Falsche negative Ergebnisse können am Anfang der Schwangerschaft für Stress sorgen. Du bist dir sicher, dass du schwanger bist, weil dein Schwangerschaftstest unlängst positiv ausgefallen ist, doch ein paar Wochen später sieht du nur noch eine blasse Linie oder gar keine Linie mehr – es könnte sich um den Hook-Effekt handeln. Musst du dir Sorgen machen?

Noch nicht.

Wenn du nach etwa fünf Schwangerschaftswochen einen Schwangerschaftstest machst, könnte es zu dem sogenannten Hook-Effekt kommen. Um zu erklären, warum dies geschieht, wird dieser Artikel folgende Themen abdecken: wie ein Schwangerschaftstest funktioniert, was der Hook-Effekt ist und was du tun kannst.

Wie funktioniert ein Schwangerschaftstest für Zuhause?

Ein Schwangerschaftstest für Zuhause misst die Menge von hCG in deinem Urin. Diese Art von Test nennt man einen Sandwich-Enzymimmunoassay. Das klingt kompliziert, und die Chemie des Tests ist es auch, aber wenn du dir je ein Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwich gemacht hast, wirst du verstehen, wie dieser Test funktioniert.

HCG ist ein wirklich großes Molekül, das aus zwei Teilen besteht: einem Alpha-Teil und einem Beta-Teil. Bezeichnen wir die Alpha-Einheit des hCG als „Erdnussbutter“ und die Beta-Einheit als „Traubengelee“.  Um beide Teile von hCG festzustellen, wird für den Schwangerschaftstest das Stäbchen mit zwei verschiedenen Antikörpern aufgeladen — bezeichnen wir diese als „Brotscheiben“. Der erste Antikörper klebt sich an die Alpha-Einheit (die „Erdnussbutter“) und der zweite Antikörper klebt sich an die Beta-Einheit (das „Traubengelee“), wodurch ein chemisches Sandwich entsteht. Sobald aus dem hCG ein Sandwich entsteht, löst dies die Freigabe einer Farbe aus — das ist die dunkle Linie, die besagt, dass du schwanger bist! Die zweite Linie bei einem Schwangerschaftstest stellt einen Kontrolltest dar, der einfach nur sicherstellt, dass die Antikörper und die Farbe in Ordnung sind.

Wieso kann ich nach einem positiven Schwangerschaftstestergebnis ein negatives bekommen?

Du dürftest also erwarten, dass die Linie auf deinem Schwangerschaftstest umso dunkler wird, je weiter deine Schwangerschaft fortschreitet. Das ist jedoch nicht der Fall und das liegt an den Antikörpern des Schwangerschaftstests.

Genauso, wie man neben dem klassischen Traubengelee-Sandwich auch andere Variationen von Erdnussbutter-Gelee-Sandwichs machen kann — zum Beispiel eines mit Erdbeermarmelade — gibt es Variationen von hCG. Warum ist das wichtig? Die relativen Mengen dieser verschiedenen Variationen verändern sich im Verlauf der Schwangerschaft und das bringt die Antikörper in deinem Schwangerschaftstest durcheinander.

Schwangerschaftstests sind gut darin, intaktes hCG zu messen — also, wenn sozusagen Erdnussbutter UND Traubengelee da sind, — und das ist in den ersten Schwangerschaftswochen auch der Fall. Um die fünfte Woche herum ist die dominante Form des hCG in deinem Urin das hCG-βCF; das ist eine Version von hCG, die gänzlich eine Beta-Einheit und überhaupt keine Alpha-Einheit ist, oder, anders gesagt, nur Erdbeermarmelade und keine Erdnussbutter. Das stellt für den Schwangerschaftstest ein Problem dar. Der Test wird von all den Beta-Fragmenten (alias Erdbeermarmelade) überwältigt, was die Fähigkeit des Tests beeinträchtigt, intaktes hCG (alias Erdnussbutter und Traubengelee) zu finden.

Statt eines linearen Verhältnisses, bei dem die Linien dunkler werden, je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, sieht das Muster nun eher aus wie ein Haken (auf Englisch „Hook“) oder eine Kurve, wobei die Linie von der dritten bis zur fünften Schwangerschaftswoche dunkler wird und sich dann aufhellt. Das bedeutet, dass es möglich ist, beim Schwangerschaftstest zunächst ein positives Ergebnis und einige Wochen später ein negatives Ergebnis zu bekommen — auch wenn du nach wie vor schwanger bist! Wissenschaftler haben das sogar getestet, indem sie eine positive Urinprobe nahmen, sofort reines hCG-βCF hinzufügten und daraufhin ein negatives Ergebnis beobachteten.

Ich denke also, dass ich bei meinem Test ein fälschlicherweise negatives Ergebnis sehe. Wie kann ich mir dessen sicher sein?

Auch wenn wir wissen, dass hCG-βCF korrekte Ergebnisse beeinträchtigt, lassen sich die Hersteller leider Zeit damit, ihre Produkte umzugestalten. Doch wenn du wirklich einen zweiten Schwangerschaftstest machen willst, kannst du den Hook-Effekt dadurch umgehen, dass du deinen Urin verdünnst, um ein Übermaß an hCG-βCF zu vermeiden. Versuche, deinen Urin mit etwas Wasser zu verdünnen, tauche ein neues Teststäbchen hinein, und die Testlinie müsste jetzt dunkler sein.

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