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Geburtsvorbereitung

Du denkst über eine Lotusgeburt nach? Hier ist, was du wissen solltest.

Solltest du eine Lotusgeburt in deine Geburtsplanung mit einbeziehen? Während das Durchschneiden der Nabelschnur in Kreißsälen schon seit Langem die gängige Praxis darstellt, gewinnt dieser neue Trend an Beliebtheit, bei dem man das Baby mit der Plazenta verbunden lässt, bis sie auf natürliche Weise abfällt. Gibt es irgendwelche wissenschaftlichen Nachweise, die das befürworten, oder ist das nur die neueste pseudowissenschaftliche Modeerscheinung?

Es ist unbestritten, dass die Plazenta ein unglaublich tolles Organ ist. (Hut ab vor einem Organ, das sich selbst erschafft und zwar zu dem einzigen Zweck, um dein Baby zu nähren!) Doch gehen wir näher auf das Thema ein, ob es sinnvoll ist, dieses Organ über längere Zeit an deinem Baby hängen zu lassen.

Was ist eine Lotusgeburt?

Eine Lotusgeburt, im Englischen auch „umbilical unseverance“ (Nichtdurchtrennung der Nabelschnur) genannt, ist die Praxis, die Nabelschnur intakt und die Plazenta über einen längeren Zeitraum mit dem Baby verbunden zu belassen. Schließlich trocknet die Schnur aus und fällt auf natürliche Weise ab; in der Regel dauert es zwischen drei und zehn Tagen, bis sie sich vom Nabel des Babys ablöst.

Anders als bei der gängigen medizinischen Praxis, bei der die Nabelschnur innerhalb von zehn Sekunden nach der Geburt durchtrennt wird (oder etwas später, nach Ablauf von mindestens einer Minute, wie es bei der verzögerten Abnabelung der Fall ist), wird bei einer Lotusgeburt die Nabelschnur niemals absichtlich durchtrennt. Nachdem die Schnur schließlich abfällt, wird sie zusammen mit der Plazenta in einen besonderen Topf oder Beutel gelegt und mit Kräutern und Salz behandelt, bis sie zerfällt.

Befürworter von Lotusgeburten glauben, dass die Durchtrennung der Nabelschnur eine zu harsche Trennung darstellt, die dem Baby das zusätzliche Blut und die Nährstoffe verwehrt, die nach der Geburt noch in der Plazenta vorhanden sind. Anhänger dieser Praxis befürworten, dass das Baby, die Plazenta und die Nabelschnur als ein einziges Wesen behandelt werden sollten und sie vertreten die Meinung, dass die Plazenta instinktiv „wissen“ wird, wann der richtige Zeitpunkt für die Trennung da ist.

Im Gegensatz zu den meisten Babys mit standardmäßig durchtrennter Nabelschnur, verlieren, Erfahrungsberichten zufolge, Babys mit nicht durchtrennten Nabelschnüren nach der Geburt kein Gewicht.  Manchmal wird auch behauptet, dass eine Lotusgeburt enorme emotionale und spirituelle Vorteile hat; einer davon sei, dass man dem Baby dadurch zu einem friedlicheren Übergang aus der Gebärmutter in die Außenwelt verhilft und so ein glücklicheres und ruhigeres Kleinkind in die Welt setzt.

Wichtig zu bemerken ist dabei, dass diese Aussagen auf Erfahrungsberichten beruhen und dass es bisher keine wissenschaftlichen Studien gibt, die sie stützen.

Ist eine Lotusgeburt eine uralte Tradition?

Nun … nicht ganz. Man könnte leicht dem Glauben verfallen, dass eine Praxis mit einer so starken spirituellen Färbung sicherlich langjährige Wurzeln in traditionellen Kulturen hat. Doch in Wirklichkeit ist dies eine recht neue Idee.

Wenngleich es einige inoffizielle Geschichten von frühen Siedlern gibt, die nach der Geburt ihrer Kinder die Nabelschnüre nicht durchtrennten (d. h. die Lotusgeburt praktizierten), hat sich die Idee erst in den frühen 1980er-Jahren etabliert, zum größten Teil durch die Befürwortung dieser Praxis durch die Yogameisterin und Hebamme Jeannine Parvati Baker. In der Medizin findet man die erste Erwähnung einer Lotusgeburt jedoch erst im Jahr 2001 in der Fachzeitschrift Midwifery Today (Ausgabe 58, Sommer 2001).

Hat die Lotusgeburt irgendwelche medizinischen Vorteile?

Während Befürworter der Praxis behaupten, dass man dadurch dem Baby wertvolle Nährstoffe aus der Plazenta zukommen lässt, gibt es keine Nachweise, dass mit einem längeren Aufrechterhalten der Verbindung mit der Plazenta irgendwelche gesundheitlichen Vorteile verbunden sind.

Es gibt Nachweise, dass eine verzögerte Durchtrennung der Nabelschnur (wobei man nach der Geburt einige Minuten lang mit der Durchtrennung der Nabelschnur wartet, statt sie sofort durchzuschneiden) zu einer zusätzlichen Blutzufuhr beiträgt, und diese Praxis wird in der regulären Geburtshilfe immer beliebter. Doch nach diesen wenigen anfänglichen Minuten ist das Blut völlig aus der Schnur herausgeflossen und es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass es irgendwelche Vorteile hat, sie länger intakt zu lassen.

Warum gibt es denn keine wissenschaftlichen Belege für die angeblichen Vorteile einer Lotusgeburt? Zunächst einmal ist es ziemlich schwierig, für eine Studie Daten über die spirituelle Reise eines Babys zusammenzutragen. Und da die Lotusgeburt eine relativ neue Praxis mit einer geringen Zahl von Anhängern ist, wäre es ein Problem, genügend Probandinnen zu finden, um statistisch relevante Ergebnisse zu erhalten. Eine weitere Komplikation würde die Schwierigkeit darstellen, Störvariablen auszuschließen, die bei der Art von Eltern vorhanden sind, die sich eher zur Wahl einer Lotusgeburt hingezogen fühlen.

Um korrekt zu beurteilen, ob die Lotusgeburt Vorteile hat, müsste man eine große Studie durchführen, bei der man konkrete biologische Messzahlen von Kleinkindern, die eine Lotusgeburt hatten, mit denen mit einer normal durchtrennten Nabelschnur vergleichen würde (d. h. Messungen der Stresshormone, des Eisengehalts und ähnliches). Da bisher keine Studien dieser Art veröffentlicht worden sind, gibt es keine bewiesenen Vorteile, um von den sorgfältig etablierten medizinischen Standards abzuweichen und sich für diese neuere, ungeprüfte Praxis zu entscheiden.

Ist eine Lotusgeburt mit Risiken verbunden?

Eines der größten Risiken ist die Möglichkeit einer Infektion. Da die Plazenta nach der Geburt noch immer viel Eiweiß und biologische Bestandteile enthält, stellt sie eine hervorragende Brutstätte für Bakterien dar, wodurch sich das Infektionsrisiko für das Baby deutlich erhöht.

Selbst bei der standardmäßigen Durchtrennung der Nabelschnur besteht an der Schnittstelle ein geringes Infektionsrisiko, wenn die Schnittstelle nicht gründlich gereinigt und abgetrocknet wird. Bei der Lotusgeburt ist dieses Risiko jedoch deutlich erhöht, da die Plazenta ein viel größeres Eintrittstor für Infektionen bietet.

 

 

 

 

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