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Ursachen von Fehlgeburten: So kannst du eine Fehlgeburt vermeiden

Es kann verführerisch sein, deine Aktivitäten aus letzter Zeit intensiv zu analysieren, um mögliche Ursachen von Fehlgeburten zu ermitteln: War es Stress? Hätte ich nicht so viel Sport treiben sollen? War es vielleicht eine Tasse Kaffee zu viel?

All diese Überlegungen drehen sich im Grunde um einen weit verbreiteten Irrglauben rund um Fehlgeburten: Kannst du selbst deine Fehlgeburt verursacht haben?

Die Antwort lautet in der überwiegenden Mehrheit aller Fälle NEIN. Ja, die ersten Wochen der Schwangerschaft können besorgniserregend sein. Viele Frauen halten Ausschau nach Symptomen einer Fehlgeburt, achten darauf, was sie essen und fragen sich sogar, ob sie es riskieren sollen, jetzt schon anderen von ihrer Schwangerschaft zu erzählen.

Um Irrglauben rund um die Ursachen von Fehlgeburten aufzulösen, wird dieser Artikel die Frage beantworten, welche der folgenden Punkte wirklich Ursachen für eine Fehlgeburt darstellen können:

  • Genetische Vorbelastung?
  • Sport?
  • Stress?
  • Gebärmutter- und Gebärmutterhalserkrankungen?
  • Alkohol?
  • Zuvor praktizierte Schwangerschaftsverhütung?
  • Eine Infektion?
  • Frühere Fehlgeburten?
  • Eine Fruchtwasseruntersuchung?
  • Eine Molenschwangerschaft?

Ja, chromosomale Anomalien stellen die häufigste Ursache für Fehlgeburten dar.

Etwa 20 bis 30 % aller Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt und obwohl es keinen Test und kein Verfahren gibt, um den Grund für jede einzelne Fehlgeburt zu ermitteln, wissen wir, dass sich Fehlgeburten in den meisten Fällen im ersten Trimester ereignen und höchstwahrscheinlich durch chromosomale Anomalien verursacht werden.

Eine chromosomale Anomalie bedeutet, dass der Embryo nach der Befruchtung des Eis durch das Spermium nicht die richtige Anzahl von Chromosomen hatte oder dass es zu Fehlern bei der Zellteilung gekommen ist, in deren Zuge Teile von Chromosomen verloren gegangen sind oder nicht richtig kopiert wurden. Das Ergebnis solcher Anomalien ist ein nicht lebensfähiger Embryo und letztendlich ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft. Das schließt den Abgang eines Abortiveis, die Fehlgeburt und die chemische Schwangerschaft ein.

Die wahrscheinlichste Erklärung dafür, warum dies geschieht, lautet: reiner Zufall.  Wenngleich Wissenschaftler sich bemühen, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie bestimmte Umweltfaktoren wie die Einnahme von Folsäure oder Strahlung die Wahrscheinlichkeit von chromosomalen Anomalien beeinflussen, gibt es bisher keine definitiven Beweise, die solche Zusammenhänge belegen würden.

Nein, Sport verursacht keine Fehlgeburten.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Sport oder intensive körperliche Betätigung eine Fehlgeburt verursachen kann. Tatsächlich hat eine neuere Umfrage unter schwangeren Frauen ergeben, dass etwa 27 % von ihnen bewusst körperliche Betätigungen vermieden, da sie sich Sorgen wegen möglicher Risiken machten[1.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26104611].

Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise, die diese Befürchtung unterstützen würden. In Wirklichkeit kann das Vermeiden körperlicher Betätigung die Wahrscheinlichkeit von Faktoren erhöhen, die tatsächlich das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen können, wie zum Beispiel Fettleibigkeit[2.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15142995]. Es ist daher wichtig, körperlich aktiv zu sein und auf ein gesundes Gewicht zu achten. Mediziner empfehlen regelmäßige Schwangerschaftsgymnastik.

Vielleicht kann extremer Stress zu einer Fehlgeburt führen, aber es ist schwierig, das genau festzustellen.

Eine neuere Umfrage hat ergeben, dass etwa 75 % der Frauen dachten, dass ihre Fehlgeburt durch Stress verursacht wurde[3.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26000502]. Das Problem mit der Widerlegung dieser Behauptung ist, dass Stress ein potentes, aber auch kompliziertes Phänomen ist. Dazu musst du Folgendes wissen:

  • Täglicher Stress, wie zum Beispiel das Einhalten von Lieferterminen und ärgerlicher Straßenverkehr, verursacht keine Fehlgeburten.
  • Traumatischer psychischer Stress, wie zum Beispiel der Tod eines Ehegatten oder eines anderen Familienmitglieds, könnte das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen, doch es gibt dafür keine schlüssigen Belege und das Thema muss noch näher erforscht werden.
  • Wesentliche Probleme bei diesen Studien bestehen in dem subjektiven Empfinden von Stress und in vorgefassten Meinungen sowie der Länge des Zeitabstands zwischen der Stresssituation und der Fehlgeburt und wie viel Zeit seit der Fehlgeburt mittlerweile vergangen ist.
  • Ein weiteres größeres Problem ist, dass Stress die Neigung zu übermäßigem Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch erhöht, die auf jeden Fall Risikofaktoren für Fehlgeburten sind. Diese Überschneidungen machen den Zusammenhang undurchsichtig, ob Stress allein oder die mit Stress verbundenen Verhaltensweisen zu Fehlgeburten führen.

Schlussfolgerung: Auf ein gesundes Stressniveau zu achten ist immer gut, doch in den meisten Fällen gibt es keinen Grund, Stress für eine Fehlgeburt verantwortlich zu machen. Selbst wenn einer Fehlgeburt traumatischer Stress vorausgegangen ist, gibt es keine sichere Möglichkeit, um zu belegen, dass diese beiden Ereignisse in Zusammenhang stehen. Merke dir also, dass die wahrscheinlichsten Ursachen für eine Fehlgeburt Faktoren sind, über die du keine Kontrolle hast, wie zum Beispiel chromosomale Anomalien.

Ja, Gebärmutter- und Gebärmutterhalserkrankungen können zu Fehlgeburten führen.

Wenn du wiederholt Fehlgeburten gehabt hast, bitte deinen Arzt, deine Gebärmutter und den Gebärmutterhals auf Fehlbildungen zu untersuchen, die eine Schwangerschaft verhindern könnten.

Wenn die Gebärmutter eine unregelmäßige Form hat, oder wenn du ein uterines Septum hast (das ist ein Stück zusätzliches Gewebe, das die Gebärmutter in zwei Bereiche teilt), dann kann es zu keiner ordnungsgemäßen Einnistung des Embryos kommen, was zur Fehlgeburt führt. Je nach der Art der uterinen Anomalie könnte dir dein Arzt eine korrektive Operation empfehlen.

Wenn der Gebärmutterhals schwach oder „inkompetent“ ist, dann kann er sich vorzeitig öffnen, was zum Abgang des Fötus führt. Um das zu behandeln, kann dein Arzt ein Verfahren namens Cerclage durchführen, bei dem einige Nähte angebracht werden, um den Gebärmuttermund zu stärken.

Ja, Alkohol kann eine Fehlgeburt verursachen, aber es kommt auf die Menge an.

Alkohol kann die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt erhöhen, doch dieses Risiko besteht offenbar erst ab einer bestimmten Größenordnung des Alkoholkonsums. Es ist zwar schwer zu sagen, wo genau diese Größenordnung beginnt, aber eine Studie hat ergeben, dass Frauen, die mehr als vier alkoholische Getränke pro Woche tranken, eine deutlich höhere Quote von Fehlgeburten hatten als Frauen, die überhaupt keinen Alkohol tranken. Interessanterweise wurde festgestellt, dass das Risiko bei Frauen, die hochprozentige Getränke konsumierten, weitaus höher war als bei Frauen, die nur Bier oder Wein tranken.

Wenn Frauen weniger als vier alkoholische Getränke pro Woche tranken, erhöhte sich ihr Risiko einer Fehlgeburt im Vergleich zu denen, die überhaupt keinen Alkohol tranken, nicht wesentlich[4.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24810392 ].

Nein, frühere Empfängnisverhütung verursacht keine Fehlgeburten.

Frauen, die Anti-Baby-Pillen genommen oder eine Spirale getragen haben, fragen sich oft, ob diese Schwangerschaftsverhütung langfristige, schädliche Auswirkungen auf ihre Fruchtbarkeit haben kann. Laut dem American College of Obstetricians and Gynecologists gibt es zurzeit keine Nachweise dafür, dass hormonelle oder intrauterine Methoden der Schwangerschaftsverhütung  nach ihrem Absetzen das Risiko von Fehlgeburten erhöhen würden.

Im unwahrscheinlichen Fall, dass du schwanger wirst, während du ein Intrauterinpessar trägst, besteht ein leicht erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt, wenn das Pessar immer noch an seinem Platz sitzt (aber nicht, wenn es entfernt wurde).

Auch wenn du einmal oder mehrmals vergessen hast, deine Anti-Baby-Pille einzunehmen und schwanger wirst, erhöhen die danach eingenommenen Pillen nicht das Risiko einer Fehlgeburt[5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18578746]

Ja, Infektionen verursachen Fehlgeburten.

Bestimmte bakterielle Infektionen, vor allem solche durch die Bakterien Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum, lösen Infektionen der Gebärmutterschleimhaut aus und verhindern die Einnistung und das Wachstum des Embryos, was zu einer Fehlgeburt führt. Dein Arzt kann dich auf diese Bakterien untersuchen und im Bedarfsfall Antibiotika verschreiben, um dieses Problem zu beheben.

Nein, eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass du weitere Fehlgeburten haben wirst.

Normalerweise ist eine Fehlgeburt ein einmaliges Ereignis und die überwiegende Mehrheit aller Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, empfängt anschließend ein Regenbogenbaby. Wenn du zwei oder mehr Fehlgeburten nacheinander erleidest, sprich mit deinem Arzt und lass dich auf mögliche Probleme wie Infektionen oder Gebärmutteranomalien untersuchen, die behandelbare Ursachen von Fehlgeburten darstellen.

Bedingt ja. Eine Amniozentese erhöht das Risiko einer Fehlgeburt, aber nur geringfügig.

Eine Befürchtung bei der Durchführung einer Amniozentese (Fruchtwassernuntersuchung) ist, ob dieser invasive Eingriff eine Fehlgeburt auslösen kann. Diese Befürchtung war vor Jahrzehnten berechtigt, als die ersten Amniozentesen durchgeführt wurden, doch dank des heutigen medizinischen Fortschritts ist das Risiko minimal. Dennoch beträgt das Risiko einer Fehlgeburt im Zusammenhang mit einer Amniozentese bei Schwangeren noch immer etwa 1 zu 400, wobei eine solche Fehlgeburt in der Regel auf eine Infektion oder auf eine vorzeitige Einleitung der Wehen zurückführen ist. Man muss jedoch bedenken, dass es ebenso wie beim Alkohol, Sport und Stress wirklich schwierig ist nachzuweisen, dass ein Vorgang wie diese Prozedur mit Sicherheit die Ursache der Fehlgeburt war.

Nein, eine Molenschwangerschaft ist keine Ursache einer Fehlgeburt

Eine Molenschwangerschaft ist eine Erkrankung, bei der die Zellen, aus denen die Plazenta entsteht, nicht normal wachsen. Auch wenn es wie eine Fehlgeburt aussieht, weil es zu starken Blutungen kommt und die Schwangerschaft zunichte macht, unterscheidet sich dieser Vorgang von einer Fehlgeburt, da er mit einem Plazentadefekt und nicht mit dem Überleben des Embryos zusammenhängt. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass man nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden kann, sobald man dazu bereit ist und wieder seinen Menstruationszyklus hat, wogegen eine Molenschwangerschaft zu einer Komplikation führen kann, bei der die anomalen Plazentazellen an anderen Stellen im Körper weiterwachsen und zu Krebs führen können. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass dein Arzt im Fall einer Molenschwangerschaft jegliches weitere Zellwachstum überwacht und dir empfiehlt, mit erneuten Versuchen, schwanger zu werden, zu warten, damit eventuelle Krebszellen eindeutig erkannt werden können.

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