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HELLP-Syndrom: Was du über diese Komplikation wissen musst

Beim HELLP-Syndrom handelt es sich um eine Schwangerschaftskomplikation, die zwar selten auftritt (sie kommt bei ungefähr 0,4 Prozent aller Schwangerschaften vor), jedoch sehr ernst verlaufen kann. Tatsächlich umfasst diese Erkrankung eine Reihe von Symptomen und wie bei den Anzeichen einer Präeklampsie kann es schwierig sein, Anzeichen, die Anlass zu Sorge geben, von gewöhnlichen Schwangerschaftssymptomen abzugrenzen.

Leider gibt es keine Maßnahmen, mit denen sich das HELLP-Syndrom verhindern ließe, aber mithilfe einer frühzeitigen Diagnose kannst du so schnell wie möglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Eine unverzügliche Therapieeinleitung ist für die Behandlung von zentraler Bedeutung. Damit du diese Erkrankung und ihre Anzeichen besser verstehst, deckt dieser Artikel Folgendes ab:

  • Was ist das HELLP-Syndrom?
  • Was sind die Anzeichen dieser Erkrankung?
  • Wie wird sie behandelt?
  • Bei wem besteht ein Risiko für das HELLP-Syndrom?
  • Wie unterscheidet sich diese Komplikation von der Präeklampsie?

Was ist das HELLP-Syndrom?

Die Buchstaben im Namen HELLP-Syndrom stehen für die englischen Begriffe der wichtigsten Befunde:

  • HE: Hemolysis (hämolytische Anämie), die Auflösung von roten Blutkörperchen (die wichtig für den Transport von Sauerstoff überall im Körper sind)
  • EL: Elevated liver enzymes (erhöhte Leberwerte), eine Leberfunktionsstörung
  • LP: Low levels of platelets (Verminderung der Thrombozyten, also der Blutplättchen, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen)

Diese Erkrankung kann sehr ernst verlaufen, da sie bei der Schwangeren zu Multiorganversagen, Blutungen und zur Ablösung der Plazenta, sowie darüber hinaus zur Gefährdung und zu Entwicklungsstörungen des ungeborenen Kindes führen kann.

Was sind die Anzeichen des HELLP-Syndroms?

Die Symptome treten normalerweise vor der 37. Schwangerschaftswoche auf; es ist jedoch wichtig zu wissen, dass sie auch nach der Entbindung oder sogar früher während der Schwangerschaft auftreten können.

Hier folgen die Anzeichen des HELLP-Syndroms:

  • Bauchschmerzen, vor allem im rechten Oberbauch
  • Hoher Blutdruck
  • Schwellungen
  • Verschwommenes Sehen
  • Müdigkeit
  • Rasche Gewichtszunahme
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Nasenbluten

Du wirst feststellen, dass einige dieser Symptome, wie beispielsweise Übelkeit und Schwellungen, während einer Schwangerschaft ganz normal sind und daher kann es schwierig sein, den Unterschied zwischen einer zu erwartenden morgendlichen Übelkeit oder Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und tatsächlich besorgniserregenden Symptomen zu erkennen. Es ist für dich wichtig, zu verfolgen, wann diese Symptome auftreten und du solltest deinem Arzt jegliche Veränderungen mitteilen, ganz besonders dann, wenn bei dir ein erhöhtes Risiko besteht, an diesem Syndrom zu erkranken. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Was sind die Risikofaktoren für das HELLP-Syndrom?

Hier folgen die Faktoren, die bekannterweise das Risiko für das HELLP-Syndrom erhöhen [1.http://americanpregnancy.org/pregnancy-complications/hellp-syndrome/]:

  • Ist während einer früheren Schwangerschaft ein HELLP-Syndrom aufgetreten, erhöht dies das Risiko, erneut daran zu erkranken
  • Präeklampsie während einer früheren Schwangerschaft
  • Bluthochdruck während einer früheren Schwangerschaft
  • Alter von über 25 Jahren
  • Bereits zwei oder mehr Kinder auf die Welt gebracht haben
  • Weiße Hautfarbe

Wie wird dieses Syndrom diagnostiziert?

Wenn du Symptome bei dir beobachtest, die mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht werden, kann dein Arzt Blutuntersuchungen veranlassen, um die Leberfunktion, die Thrombozytenanzahl und die Anzahl der roten Blutkörperchen zu messen und so das HELLP-Syndrom zu diagnostizieren. Auch dein Blutdruck und die Proteinwerte im Urin werden wahrscheinlich beobachtet.

Wie wird das HELLP-Syndrom behandelt?

Wie auch im Fall einer Präeklampsie bedeutet die Behandlung von HELLP-Symptomen in der Regel die Einleitung der Geburt. Diese Behandlungsmöglichkeit hängt jedoch davon ab, in der wievielten Schwangerschaftswoche du bist.  Wenn du zumindest in der 37. Woche bist, wird dein Gynäkologe wahrscheinlich die Einleitung der Geburt empfehlen, um ernsthafte Komplikationen für dich und dein Baby zu verhindern. In der Regel verschwinden die Symptome innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Entbindung.

Eine Entbindung vor diesem Zeitpunkt wird jedoch als Frühgeburt betrachtet, die auch für dein Baby Risiken mit sich bringt. In diesem Fall muss dein Arzt die Risiken einer Frühgeburt im Vergleich zu den Risiken aufgrund von Komplikationen durch das HELLP-Syndrom abwägen. Um die Symptome in den Griff zu bekommen und die Schwangerschaft möglichst lange fortzusetzen, empfiehlt dein Arzt möglicherweise:

  • Eine Einweisung ins Krankenhaus und Bettruhe, um eine lückenlose Beobachtung zu gewährleisten
  • Eine Behandlung mit Kortikosteroiden, um die Entwicklung der Lungen des Babys zu beschleunigen
  • Magnesiumsulfat, um das Risiko von Krampfanfällen zu senken
  • Bluttransfusion zur Erhöhung der Anzahl der Blutplättchen
  • Medikamentöse Behandlung des hohen Blutdrucks, um sicherzustellen, dass sich die Werte normalisieren
  • Überwachung des Fötus, um jegliche Gefahr für das Baby zu erkennen

Wie unterscheidet sich das HELLP-Syndrom von einer Präeklampsie?

Das HELLP-Syndrom wird zurzeit als schwere Form der Präeklampsie betrachtet und geht häufig der Diagnose einer Präeklampsie voraus. Auch wenn die Ärzteschaft nach wie vor darüber diskutiert, ob das HELLP-Syndrom nun eine vollkommen eigenständige Erkrankung oder eine Variante der Präeklampsie darstellt, für dich ist wichtig, zu wissen: Es ist definitiv möglich, dass beide Erkrankungen gleichzeitig auftreten. Dem American College of Obstetrics and Gynecology zufolge leiden etwa 4 – 12 Prozent der Frauen mit Präeklampsie auch am HELLP-Syndrom [1.]. Eine Studie ergab, dass Frauen, die vor der 34. Schwangerschaftswoche Symptome des HELLP-Syndroms zeigten, eine höhere Wahrscheinlichkeit für das zusätzliche Auftreten von Präeklampsie aufwiesen als Frauen, bei denen die Symptome erst nach der 34. Schwangerschaftswoche auftraten [2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4692334/]. Der Zeitpunkt des Einsetzens der Symptome scheint also ein ausschlaggebender Faktor für die verbesserte Erkennung dieser speziellen Überschneidung von Erkrankungen zu sein.

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