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Geburtsvorbereitung

Was ist eine Geburtsbegleiterin und brauchst du eine?

Unter Müttern gibt es einen zunehmenden Trend zur Zusammenarbeit mit einer Geburtsbegleiterin. Genauso wie bei Lotusgeburten und der Plazentaverkapselung kann es schwierig sein zu beurteilen, ob dies nur eine Modeerscheinung ist oder ob hinter diesen Praktiken eine wissenschaftliche Wahrheit steckt. Doch anders als bei Lotusgeburten und dem Schlucken von Plazentapillen mit den damit verbundenen Infektionsrisiken und keinem wissenschaftlich belegten Nutzen, kann soziale Unterstützung sicher für das Wohlbefinden werdender Mütter nützlich sein. Eine Doula, die sogenannte Geburtsbegleiterin, kann als Quelle sozialer Unterstützung während der Schwangerschaft dienen. Um den Umfang des Nutzens besser einschätzen zu können, haben wir unlängst ein Interview mit Shannon Padlog geführt, einer Geburtsbegleiterin aus dem Gebiet der San Francisco Bay. Auf Grundlage des Gesprächs, das wir mit ihr geführt haben, beantworten wir in diesem Artikel:

  • Was kann eine Geburtsbegleiterin tun und was kann sie nicht tun?
  • Warum sollte ich eine Geburtsbegleiterin haben?
  • Inwieweit unterscheiden sich Geburtsbegleiterinnen von Geburtshelfern, Gynäkologen und Hebammen?
  • Ist der Nutzen von Geburtsbegleiterinnen wissenschaftlich belegt?

Was ist eine Geburtsbegleiterin?

Eine Geburtsbegleiterin bietet der Mutter fortlaufende Unterstützung während der Wehen, unabhängig davon, welche Entscheidungen sie trifft oder auf welche Weise sie entbindet. Das Wort „Geburtsbegleiterin“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Dienerin der Frau“. Laut Shannon „dienen Geburtsbegleiterinnen oft als Brücke bei der Kommunikation zwischen dem medizinischen Personal und den Familien und helfen beiden Parteien, die Ziele und Prioritäten aller Beteiligten zu verstehen.“

Welche Dienste dürfen Geburtsbegleiterinnen erbringen?

Dies sind die Dienste, die eine Geburtsbegleiterin laut Shannon erbringen und nicht erbringen kann:

Eine Geburtsbegleiterin kann …

Eine Geburtsbegleiterin kann nicht …

  • laufende emotionale und körperliche Unterstützung bieten
  • medizinischen Rat erteilen, da sie keine medizinische Fachkraft ist
  • Informationen geben, wenn sie darum gebeten wird und einer Mutter helfen, Ressourcen zur Erkundung ihrer Möglichkeiten bezüglich der Geburt zu finden
  • das Verhältnis zwischen Arzt und Mutter stören oder darin eingreifen
  • Komfortmaßnahmen wie Massagen durchführen, verschiedene Stellungen empfehlen und mit entspannenden Atemübungen helfen
  • die wichtige Rolle des Geburtspartners ersetzen
  • die Wünsche der Mutter hinsichtlich der Geburtsumgebung erfüllen (zum Beispiel für gedämpftes Licht und sanfte Musik sorgen), soweit dies am Geburtsort möglich ist
  • medizinische Dienstleistungen erbringen, wie etwa das Prüfen der Vitalwerte oder die Durchführung von Untersuchungen, da sie dafür nicht ausgebildet ist und keine Erfahrung damit hat

 

  • die Mutter ermutigen, mit ihrem Arzt oder der Hebamme zu kommunizieren, um sich über Verfahren und Eingriffe informieren zu lassen
  • Vorgeburtsuntersuchungen durchführen, wie etwa den Herzschlag des Babys und seine Entwicklung aufzeichnen
  • den Vater oder Geburtspartner auf bestmögliche Weise zum Besten der Mutter unterstützen
  • die Wünsche der Mutter verurteilen, ablehnen oder sich ihnen entgegenstellen

 

Warum entscheiden sich Frauen überhaupt für eine Geburtsbegleiterin?

So aufregend es auch sein mag, auf dein Baby zu warten, so kann die Schwangerschaft und Geburt auch voller Unsicherheiten und unangenehmer Gefühle sein. Viele werdende Mütter haben verständlicherweise viele Fragen, angefangen damit, wie man Braxton-Hicks-Kontraktionen von dem Einsetzen echter Wehen unterscheidet, über Bedenken zur Sicherheit von pränatalen Vitaminen bis hin zur Schwangerschaftsgymnastik. Laut Shannon hilft eine Geburtsbegleiterin sehr wirkungsvoll dabei, alle Fragen rund um die Geburt zu enträtseln. Sie sagt: „Sie [die Geburtsbegleiterinnen] können Fragen sofort beantworten (ja, auch mitten in der Nacht!); sie können Vorschläge machen, was die Frau tun könnte; sie können erklären, warum bestimmte Dinge geschehen und sie können ganz allgemein die Erfahrung, die [für die werdende Mutter] völlig ungewohnt, neu und manchmal überfordernd und furchterregend ist, als etwas völlig Normales darstellen.“

Dies kann besonders während der Geburtswehen hilfreich sein, da Geburtsbegleiterinnen Erfahrung mit Stellungswechseln, Vokalisierungen zur Linderung der Schmerzen, rhythmischen Bewegungen, geführten Entspannungs-, Atem- und Visualisierungsübungen sowie speziell für die Wehen geeigneten Massagetechniken haben.

Geburtsbegleiterinnen können Frauen auch dabei unterstützen, sich Informationen über verschiedene Schwangerschafts- und Geburtspraktiken zu beschaffen, damit die Frauen ihre Entscheidungen auf einer Grundlage von Selbstbewusstsein und Wissen statt von Angst und Informationsmangel treffen können.

Einer der wichtigsten Gründe, um eine Geburtsbegleiterin zu wählen, ist, dass sie fortlaufende emotionale Unterstützung bietet. Sie bietet diese Unterstützung durch mündliche Ermutigungen und Versicherungen, eine ständige körperliche Anwesenheit und ihr vollstes Vertrauen in die Kraft der Mutter und in ihre Fähigkeit, die Geburt zu bewältigen.

Garantiert eine Geburtsbegleiterin ein besseres Geburtsergebnis?

Es wurden einige klinische Versuchsreihen durchgeführt, um auszuwerten, ob eine Geburtsbegleiterin zu einem angenehmeren Erleben der Wehen und besseren Ergebnissen bei der Entbindung beiträgt. Eine klinische Versuchsreihe an 600 Frauen mit niedrigem Einkommen ergab, dass die Anwesenheit einer Geburtsbegleiterin die Dauer von vaginalen Entbindungen von durchschnittlich 11,7 auf 10,4 Stunden verkürzte, aber keine Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit der Verabreichung einer Epiduralanästhesie oder einer Entbindung durch Kaiserschnitt hatte. Man stellte auch eine leichte, aber deutliche Erhöhung der Apgarwerte bei Babys fest, die in Anwesenheit einer Geburtsbegleiterin entbunden wurden (99 %) gegenüber Entbindungen ohne eine Geburtsbegleiterin (97 %). Interessanterweise waren die Geburtsbegleiterinnen bei dieser Studie „Laien-Geburtsbegleiterinnen“, was heißt, dass sie nur einen 2-stündigen Einweisungskurs absolviert hatten, bevor sie den Frauen zur Seite gestellt wurden [1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16881989]. Eine andere Studie mit fast 500 Frauen ergab ein ähnliches Ergebnis: Dort erhielten Freundinnen oder weibliche Verwandte der Schwangeren eine Schulung für Laien-Geburtsbegleiterinnen und die Mütter empfanden dadurch während der Entbindung eine stärkere soziale Unterstützung [2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17718872].

Schlussfolgerung: Eine Geburtsbegleiterin garantiert keine einfachere oder weniger komplizierte Geburt, aber die soziale Unterstützung ist während der Schwangerschaft und Entbindung enorm wichtig. Ob diese Unterstützung von einer Geburtsbegleiterin oder von jemand anderem kommt, ist egal, doch es ist immer gut, ein starkes soziales Unterstützungssystem zu haben.

Gibt es einen Unterschied zwischen einer Geburtsbegleiterin und einer Hebamme?

Geburtsbegleiterinnen sind NICHT dasselbe wie Hebammen. Hebammen sind medizinische Fachkräfte und ihre Rolle ähnelt mehr der eines ärztlichen Geburtshelfers, obwohl sie eine andere Ausbildung und andere Kompetenzen haben. Shannon findet, dass „Geburtsbegleiterinnen eine hervorragende Ergänzung zu Hebammen darstellen, aber ihre Rollen überlappen sich nicht. Viele Familien nehmen schon während der Schwangerschaft die Dienste von Hebammen in Anspruch, statt sich an einen Geburtshelfer oder Gynäkologen zu wenden. Hebammen unterstützen ihre Patientinnen in Krankenhäusern, zu Hause oder in Geburtszentren, je nachdem, wo sie ihre Patientinnen die Entbindung durchführen möchten.“

Wenn ich eine Geburtsbegleiterin habe, brauche ich dann immer noch einen Geburtshelfer oder Gynäkologen?

Ja, denn eine Geburtsbegleiterin ist zwar ein Mitglied deines Teams, ist aber kein Ersatz für einen Geburtshelfer oder Gynäkologen oder eine Hebamme.

Wie ist die Arbeitsbeziehung zwischen einer Geburtsbegleiterin und dem Geburtshelfer oder Gynäkologen?

Beide sind Mitglieder des Teams, das die erwartende Familie unterstützt.  Geburtsbegleiterinnen helfen oft, die Kommunikation zwischen dem medizinischen Personal und der Familie zu verbessern.

Welche Art von Ausbildung braucht eine Geburtsbegleiterin?

Die Tätigkeit einer Geburtsbegleiterin ist kein Beruf, der einen Abschluss oder eine Zulassung benötigt. Es gibt keine Behörde, die einer Geburtsbegleiterin eine Qualifikation erteilt. Geburtsbegleiterinnen werden über lokale und nationale Organisationen ausgebildet, wie zum Beispiel über die „Doulas of North America“. Manche Organisationen bieten auch ein Zertifikatsprogramm an, das eine Teilnahme an Workshops, Pflichtlektüre, Teilnahme und Mithilfe bei einer bestimmten Anzahl von Geburten und den Erhalt von Empfehlungen von Müttern, Familienmitgliedern und Medizinern erfordert.

Werden die Kosten von Geburtsbegleiterinnen von Versicherungen übernommen?

Dazu sagt Shannon Folgendes: „Gegenwärtig bezahlen die meisten Versicherungsgesellschaften die Dienste der Geburtsbegleiterinnen nicht, obwohl viele Organisationen dies stark empfehlen, da wir mittlerweile wissen, dass Geburtsbegleiterinnen durch die Unterstützung, die sie vor der Geburt und während der Entbindung bieten, die Kosten der Gesundheitspflege drastisch verringern können! Viele Familien, die ich unterstützt habe, waren in der Lage, die Dienste der Geburtsbegleiterin aus den Mitteln der HSA oder FSA zu bezahlen. Ich hatte ein knappes Dutzend von Familien, die für die Unterstützung durch eine Geburtsbegleiterin Geld erstattet bekamen, nachdem sie hartnäckig auf ihre Versicherungsanbieter eingeredet hatten.”

Wann sollte ich mir eine Geburtsbegleiterin organisieren?

Shannon empfiehlt, dass du dir so frühzeitig wie möglich eine Geburtsbegleiterin organisierst, wenn du eine haben möchtest, aber es ist auch nie zu spät dafür. Sie sagt: „Wenn du dir frühzeitig eine Geburtsbegleiterin organisierst, habt ihr beide mehr Zeit, einander kennenzulernen und die Familien haben eine größere Auswahl, da viele Geburtsbegleiterinnen für Monate im Voraus ausgebucht sind. Deine Geburtsbegleiterin wird während deiner ganzen Schwangerschaft quasi deine beste Freundin sein und viele Familien, mit denen wir arbeiten, genießen es, eine nicht-medizinische Unterstützungsperson zu haben, der sie während der Schwangerschaft Fragen stellen können.”

Worauf soll ich achten, wenn ich meine Geburtsbegleiterin auswähle?

Shannon schlägt hinsichtlich der Auswahl einer Geburtsbegleiterin Folgendes vor: „Ich sage Familien oft, dass der wichtigste Entscheidungsfaktor ist, welche Verbindung du fühlst. Vorstellungsgespräche mit Geburtsbegleiterinnen zu führen ist ein wenig wie das erste Rendezvous mit einem Mann! Du solltest danach das Gefühl haben, dass du dich mit der anderen Person wohl fühlst, dass du mit ihr offen und ehrlich sprechen kannst und dass deine Entscheidungen respektiert werden. Manche Familien möchten auch wissen, ob die Geburtsbegleiterin eine bestimmte Ausbildung hat oder eine bestimmte Philosophie vertritt, bevor sie ihre Wahl treffen. Am besten führst du mit den Geburtsbegleiterinnen zuerst ein Telefongespräch und triffst dich dann mit zwei oder drei von ihnen, um die ideale Frau zu finden.“

Wie oft trifft man sich mit seiner Geburtsbegleiterin während der Schwangerschaft?

Das hängt von der Praxis jeder einzelnen Geburtsbegleiterin ab, aber meistens treffen sich die Frauen zwei bis vier Mal.

Wird mich die Geburtsbegleiterin auch nach der Geburt besuchen?

Das hängt wiederum von ihrer Praxis ab, aber normalerweise wird sie dich ein oder zwei Mal besuchen.

Shannon sagt: „Ganz egal, welche Vorlieben du hast, eine Geburtsbegleiterin wird dich und dein Team während des Erlebnisses unterstützen. Sie wird keine Urteile über dich fällen und eine kontinuierliche Hilfe bieten, was eine große Lücke in unserer derzeitigen Schwangeren- und Mütterversorgung schließt. Im Grunde ist eine Geburtsbegleiterin eine Masseurin, Freundin, Therapeutin, Alleinunterhalterin und Hofnärrin in Einem, oder was auch immer die werdende Mutter während ihrer Wehen gerade braucht. Sie bietet eine Schulter zum Ausweinen oder Ermutigung, wenn die Mutter glaubt, dass sie nicht mehr weitermachen kann. Was ich nach der Geburt am häufigsten von Familien höre, ist: „Wie kann das jemand überhaupt ohne eine Geburtsbegleiterin schaffen?’”

Du kannst hier mehr über Shannons Leistungen erfahren:

Collective Hearts Birth Services

Gemeinschaft. Bildung. Gleichheit. Würde. Vorurteilslosigkeit.

 

 

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