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Ein Plädoyer für Blutungen: Überlege lieber zweimal, bevor du die Pille nimmst, um Monatsblutungen zu überspringen

package of birth control pills

Nicole Davis schreibt für den Guardian und behauptet dort nachdrücklich, dass Frauen nicht notwendigerweise ihre Monatsblutungen bekommen müssen.  Davis wehrt sich gegen die jüngste Welle feministischer Autorinnen und Aktivistinnen, die Frauen auffordert, ihre Monatsblutungen willkommen zu heißen und weist darauf hin, dass Monatsblutungen unangenehm sind und manchen Frauen Schmerzen und Unbehagen verursachen. Des Weiteren ist sie der Meinung, dass es gar nicht so „natürlich“ sei, jeden Monat eine Monatsblutung zu bekommen, wie es scheint, weil Frauen in früheren Zeiten aufgrund von häufigeren Schwangerschaften und längeren Stillzeiten deutlich seltener Monatsblutungen hatten.

Und dann lässt Davis die Bombe platzen: Sie zitiert einige Ärzte, die behaupten, dass 99 % der Frauen nicht bluten müssen und die Blutung keinen gesundheitlichen Nutzen hat. Die Ärzte, die sie zitiert, argumentieren, dass hormonelle Empfängnisverhütung ohne negative Folgen kontinuierlich eingenommen werden kann, um Blutungen zu verhindern.

Dies sind krasse Behauptungen, doch was fehlt, sind Beweise, die sie stützen. Es scheint die Meinung weniger befragter Ärzte zu sein, dass Menstruationszyklen nicht notwendig sind – aber Meinungen entsprechen nicht immer den Tatsachen. Vor allem dann, wenn solche Meinungen in direktem Widerspruch mit den Richtlinien zur Amenorrhoe gemäß der Praxis der Endocrine Society stehen.[1]

Blutungen selbst sind kein gesundheitlicher Vorteil, aber sie sind ein Beweis dafür, dass der Eisprung stattfindet. Warum ist es wichtig, dass der Eisprung stattfindet? Weil eine große Anzahl von Forschungsarbeiten eindeutig belegt, dass der Eisprung und die hormonellen Veränderungen, die ihn begleiten, durchaus mit einem Nutzen verbunden sind. Wenn ein Follikel wächst und das Ei im Inneren reift, erhöht sich der Östrogenspiegel um etwa das 10-fache.[2] Das führt zu einem Anstieg des luteinisierenden Hormons, was den Eisprung verursacht. Nach dem Eisprung erhöht sich der Progesteronspiegel gegenüber dem Ausgangswert um mehr als das 25-fache.[3] Es gibt noch viele andere Hormone, die am Menstruationszyklus beteiligt sind.[4]

Was sind die Vorteile der hormonellen Veränderungen im Zusammenhang mit dem Eisprung?

Die besten Beispiele stammen von den gesundheitlichen Auswirkungen bei Frauen, die entweder natürliche oder chirurgische Wechseljahre durchlaufen haben.[5] (Von chirurgischen Wechseljahren spricht man, wenn Eierstöcke und Gebärmutter aus medizinischen Gründen entfernt wurden.) Die bei weitem schwerwiegendste Veränderung nach den Wechseljahren ist ein starker Rückgang der Knochendichte.[6] Wir wissen, dass nach der Pubertät sowohl Östrogen als auch Progesteron[7] stark an der Erhöhung und Aufrechterhaltung der Knochendichte beteiligt sind, ebenso wie eine Reihe anderer Hormone, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen, wie zum Beispiel die Inhibine[8], IGF-1[9] und FSH.[10] Wir wissen auch, dass Frauen mit Amenorrhoe[11] tendenziell eine geringere Knochendichte aufweisen.

Bei Frauen, die durch die Wechseljahre gegangen sind, treten eher Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf[12] und es gibt sogar Studien, die zeigen, dass bei Frauen mit regelmäßigen Zyklen Herzinfarkte eher während der Follikelphase auftreten[13,14], wenn weniger Estradiol vorhanden ist. Jüngere Frauen mit Amenorrhoe zeigen eine gestörte Gefäßfunktion.[15]

Es gibt auch Hinweise auf eine Zunahme von Demenz[16] und anderer neurodegenerativer Erkrankungen[17] nach den Wechseljahren sowie eine erhöhte Todesfallrate aufgrund neurologischer Ursachen nach den chirurgischen Wechseljahren.[18]

Der Guardian-Artikel beschäftigt sich dann mit den Vorteilen der hormonellen Geburtenkontrolle und erwähnt auch einige negative Nebenwirkungen wie Angstzustände und möglicherweise erhöhte Krebsrisiken, nimmt aber insgesamt wenig Rücksicht auf die gesundheitlichen Auswirkungen der Verhinderung des natürlichen Eisprungs, wofür es einfach nicht genügend Daten gibt.

Ein Bereich, in dem Studien schädliche Auswirkungen der hormonellen Empfängnisverhütung gefunden haben, selbst bei Frauen, die vor der Empfängnisverhütung normale Zyklen hatten, war eine im Vergleich zur Kontrollgruppe geringere Zunahme der Knochendichte als erwartet.[19, 20, 21] Darüber hinaus kann die Verwendung oraler Verhütungsmittel zum Mangel[22] an verschiedenen Mikronährstoffen führen.[23] Es gibt bei manchen Studiengruppen auch Berichte über vermehrte Angstzustände und Depression[24] bei der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln.

Bei Frauen, bei denen aufgrund von Unterernährung die Monatsblutungen ausfallen – was verschiedentlich als hypothalamische Amenorrhoe, hypogonadotroper Hypogonadismus, weibliche Athletentriade oder relativer Energiemangel im Sport bezeichnet wird –, können die schädlichen Auswirkungen der fehlenden Monatsblutungen[25] noch krasser sein: abnorme Schilddrüsenfunktion, abnorme Wachstumshormonmuster, Unfruchtbarkeit (aufgrund des ausbleibenden Eisprungs), Auswirkungen auf die Verdauung, möglicherweise Veränderungen des Immunsystems, verminderte Knochendichte, die zu Belastungsfrakturen führen kann, Anfälligkeit für andere Verletzungen usw.

Hormonelle Geburtenkontrolle stellt zwar exogene Östrogene und Gestagene zur Verfügung, aber diese erreichen nicht das gleiche Niveau wie das physiologische Östrogen und Progesteron, die während des Menstruationszyklus produziert werden. Tatsächlich führt die hormonelle Geburtenkontrolle zu viel niedrigeren Niveaus von endogenem (physiologischem) Östrogen und Progesteron.[26]

Ganz zu schweigen von etwa 20 verschiedenen Hormonen, Enzymen und anderen Molekülen[27], die an unseren Zyklen beteiligt sind, einschließlich GnRH, FSH, LH, der Inhibine A und B, Prostaglandin, IFG-1 und -2, EGF, Estradiol, Progesteron, 17-OH-Progesteron, Testosteron, HETE und vieler mehr. Zu argumentieren, dass das Ersetzen von nur ein oder zwei Hormonen durch synthetische Versionen die Rezeptoren auf genau die gleiche Weise wie die natürliche Form aktivieren kann, die genau die gleichen Funktionen wie diese mehr als 20 Hormone erfüllen, ist nicht logisch.

Es ist unverantwortlich, jahrelange medizinische Literatur zu ignorieren und die Behauptung zu erheben, dass es keine Notwendigkeit für eine Monatsblutung gibt (und infolgedessen auch keine Notwendigkeit für einen Eisprung). Es ist unverantwortlich, Nebenwirkungen der hormonellen Geburtenkontrolle zu beschönigen und sie als ein Allheilmittel darzustellen, vor allem, wenn die Verhütungsmittel eingenommen werden, um ein Periodenproblem mit einer behandelbaren medizinischen Grundlage zu korrigieren.

Natürlich hat jede Frau das Recht, ihre eigenen Entscheidungen rund um die reproduktive Gesundheit zu treffen und für viele Frauen kann die hormonelle Antibabypille oder eine andere Option, die den Eisprung und Blutungen verhindert, die beste Option sein. Für andere Frauen ist eine nicht-hormonelle Methode der Geburtenkontrolle, bei welcher der Eisprung normal abläuft, vorzuziehen. Wichtig ist, dass die optimale Wahl auf die bestehenden Bedürfnisse, Wünsche und den Gesundheitszustand ausgerichtet werden sollte und daher exakte und vollständige Informationen vorhanden sein müssen. Mediziner und Journalisten sollten Frauen eine Zusammenfassung ALLER Belege vorlegen, damit diese wirklich fundierte Entscheidungen treffen können.

 


Nicola Rinaldi, PhD

Nicola Rinaldi has a PhD in computational biology from MIT. The author of No Period Now What—a comprehensive guide for how to recover from hypothalamic amenorrhea—Rinaldi has been counseling women on how to recover their missing periods for over a decade.
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