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Schwangerschaft

Die fünf wichtigsten Regeln während Deiner Schwangerschaft

Ein Gastbeitrag von Joel M. Evans, Geschäftsführer von Lamaze.org

Wahrscheinlich brummt Dir Dein Kopf vor lauter Informationen über was Du während Deiner Schwangerschaft tun und was vermeiden solltest. Sei es Dein Arzt, Deine Freunde, Deine Familie oder Bücher die Du gelesen hast, von überall her kommen Meinungen und Regeln, die Dein Leben während der Schwangerschaft stark beeinflussen können. Und das alles offenbar zum Besten für Dich und Dein Baby.

Aber in Wahrheit können diese Weisheiten nicht nur unausgewogen, sondern oft auch gar nicht wissenschaftlich bewiesen sein. Vielleicht sind sie auch einfach nicht das Richtige für Dich und Dein Baby.

In dem folgenden Beitrag leiten sich alle Informationen über die do‘s und don’ts der Schwangerschaft von soliden Forschungsergebnissen ab. Ich bin außerdem davon ausgegangen, dass Du selbst weißt was für Dich und Dein Baby das Beste ist.

1. Sei vorsichtig mit dem Alkohol

Schwangere Patienten fragen mich fast immer ob es OK ist Alkohol zu trinken. Es fällt mir schwer ja zu sagen, da mehrere Studien ergeben haben, dass Alkoholkonsum überhaupt keinen Nutzen für die Gesundheit hat und außerdem einiges an Risiken mit sich bringt. Bislang gibt es keinen wissenschaftlich abgesicherten Grenzwert, unter dem Alkohol nicht zu Schädigungen führen kann, außerdem solltest Du nicht vergessen, dass sein Weg auch durch die Plazenta führt. Laut Wissenschaft kann ein Fötus von einem hohen Alkoholkonsum der Mutter (vier Getränke am Tag) stark beeinflusst werden, und sogar bei einem Getränk in der Woche können sich erste Anzeichen bilden.

Andererseits wurde es auch nicht erwiesen, dass gemäßigter Alkoholkonsum während der Schwangerschaft definitiv negative Auswirkungen auf das Baby hat. Das US-Amerikanische ‘Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism’ hat vor kurzem festgestellt, dass es bei Babys selten zu Problemen kommt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft weniger als 30 Milliliter Alkohol in der Woche trinkt. Anhand dessen sollte es in Ordnung sein gelegentlich ein Glas Wein zu trinken, jedoch erst nach dem ersten Trimester, wenn die entscheidende fötale Entwicklung stattgefunden hat. Trinke aber trotzdem nicht zu viel, und versuche zu jedem Glas etwas zu essen. Alkohol wird bei vollem Magen langsamer aufgenommen, darum ist die Chance dabei geringer, dass große Mengen das Baby erreichen.

2. Zügle Deinen Koffeingenuss

Wenn Du es genau nehmen willst, dann gilt für Alkohol und Koffein so ziemlich dasselbe. Koffein hat keinen Nutzen für die Gesundheit, darum ist es das potenzielle Risiko für das Baby nicht wert. Da wir jedoch alle gerne mal einen Kaffee oder Tee zum Frühstück genießen (manche sind sogar richtig süchtig danach), und da es bei Koffein weniger potenzielle Probleme für die Schwangerschaft gibt als bei Alkohol, ist es wahrscheinlich in Ordnung ein wenig nachsichtiger zu sein.

Wichtig ist zu wissen, Koffein ist ein Aufputschmittel. Es beschleunigt Blutdruck und Herzschlag, aber es kann Dich auch dehydrieren, was Du während der Schwangerschaft auf jeden Fall vermeiden solltest. Man ist sich nicht sicher, wie genau sich Koffein auf den Fötus auswirkt, jedoch verbindet man eine hohe Koffeinzufuhr (vier bis fünf Tassen am Tag) mit einer höheren Fehlgeburt-Rate, mit Frühgeburt, und mit niedrigem Geburtsgewicht. Gleichzeitig gibt es jedoch keine Beweise dafür, dass ein gemäßigter Konsum (ein bis zwei Tassen am Tag) irgendeine Auswirkung auf das Baby hat. Folglich sind ein oder zwei normale Tassen Kaffee am Tag wohl in Ordnung. Falls Du jedoch sensibel darauf reagieren solltest, zum Beispiel erhöhtes Herzklopfen bekommst, dann solltest Du nicht mehr als eine Tasse trinken.

Zur Erinnerung: Trink viel Wasser untertags und sei Dir bewusst, dass Kaffeehäuser oft in großen Tassen servieren. Eine normale Tasse würde man als zirka 230ml bezeichnen.

3. Rauche nicht

Bestimmt hast Du diese Warnung schon öfters gehört. Wahrscheinlich weißt Du auch, dass Deine Mutter während Ihrer Schwangerschaft rauchen durfte. Welches der beiden stimmt also? Schließlich hat es Dir nicht geschadet, falls Deine Mutter während sie Dich austrug ein paar Zigaretten am Tag geraucht hat, warum sollte es also Deinem Baby schaden?

Wie so oft, wenn etwas zu gut ist um wahr zu sein, dann ist das auch so. Und hier ist es nicht anders. Fakt ist, dass das Rauchen nie gut für Dich ist. Es erhöht das Risiko von Lungen-, Gebärmutterhals-, Kehlkopf-, und Mundkrebs, sowie Herzkrankheiten, Lungenkrankheiten, Schlaganfällen, und Osteoporose. Und es gibt mindestens genauso viele Gründe, warum das Rauchen auch für Dein Baby gefährlich ist. Es reduziert den Sauerstoffgehalt in Deinem Blut, ist wachstumshemmend, und erhöht das Risiko einer Frühgeburt, sowie Asthma, ADHS, und anderer kognitiver Verhaltensstörungen. Auch das Risiko eines Krippentodes kann durch das Rauchen erhöht werden. Ich rate Dir, das sehr ernst zu nehmen. Das Rauchen aufzuhören ist zu diesem Zeitpunkt eines der besten Dinge, die Du für Dich und Dein Baby tun kannst. Falls Du es nicht alleine schaffst, wende Dich an einen Heilpraktiker der Dir dabei helfen kann.

Jedoch kann das Rauchen auch nach der Schwangerschaft schädlich für Dein Baby sein. Viele Menschen wissen zum Beispiel, dass Passivrauchen, wenn Du den Rauch eines anderen Rauchers einatmest, schädlich ist. Eine weitere Gefahr ist Rauch, der sich in den Klamotten eines Rauchers, oder auf dessen Körper und Haaren gefangen hat. Beide Arten von Rauch können gefährlich für das Baby sein. Es wäre eine gute Idee, Raucher in Deinem Umfeld darauf aufmerksam zu machen und sie zu erinnern, ihre Kleidung zu wechseln oder sich zu waschen bevor sie mit Deinem Baby in Verbindung kommen.

4. Nimm pränatale Vitamine

Man ist sich einig, dass schwangere Frauen eine Reihe bestimmter Vitamine zu sich nehmen sollen, um ihre Gesundheit und die optimale Entwicklung ihres Babys zu gewährleisten. Manche Frauen finden genug dieser Vitamine in ihrer Ernährung und brauchen deshalb keine Nahrungsergänzung. Jedoch alle anderen, und wir gehen davon aus, dass dies die Mehrheit betrifft, können von ein wenig Nachschub profitieren.

Hier ist noch ein Grund, warum Du pränatale Vitamine zu Dir nehmen solltest: Forscher haben festgestellt, dass gewisse Nährstoffe, von denen man nur durch die Ernährung alleine schwer genügend zu sich bekommt, bei der fötalen Entwicklung helfen. Sogar gängige Komplikation bei der Schwangerschaft können durch sie gelindert werden. Zum Beispiel hat man nachgewiesen, dass Choline und Omega 3 Fettsäuren bei der Entwicklung des fötalen Gehirns helfen. Folsäuren wiederum helfen den sogenannten Neuralrohrdefekt zu verhindern und Vitamin C kann einen vorzeitigen Blasensprung stoppen.

Ich finde, bei diesen potenziellen Vorteilen ist es die extra Kosten durchaus wert. Pränatale Vitamine tragen kein Risiko mit sich, haben aber viele positive Effekte. Sollte es Dir schwer fallen Pillen zu schlucken, dann kommen die Vitamine auch in Lutsch- oder kaubarer Form. Lies aber vorher das Etikett um sicher zu gehen, dass die Zusammensetzung die Richtige für schwangere Frauen ist. Die Vitamine müssen nicht unbedingt als ‘speziell für Schwangere’ ausgelegt werden um die richtige Zusammensetzung zu haben. Sogar Kauvitamine für Kinder können die richtige Wahl sein. Das kommt ganz drauf an, welche Vitamine Du brauchst. Falls Du Dich dennoch entscheidest keine zu Dir zu nehmen, dann solltest Du Dich zumindest so gesund wie möglich ernähren.

5. Mach Dir keine Sorgen

Die vielen Anleitungen, die Du während Deiner Schwangerschaft bekommst, können Dir vorkommen wie unausweichliche Regeln, die man zu hundert Prozent befolgen muss. Wenn Du das durchziehen willst machst Du Dir nur selbst zu viel Stress, denn manche Dinge kannst Du gar nicht beeinflussen.

Glaube stattdessen an Dich und Deine Fähigkeit, ein gesundes Baby zur Welt zu bringen. Wenn Du an das glaubst, wird Dir Deine Schwangerschaft auch viel Freude bereiten. Du wirst motiviert sein auf Deinen Körper zu achten, gut zu essen und dich leicht zu bewegen. Gelegentlich wirst Du Dir auch einen Drink zur Entspannung gönnen, den morgendlichen Kaffee genießen, und Dir sogar mitunter mal ein Stückchen Schokolade gönnen (was übrigens zu ruhigeren Babys führen kann). Erlaube es Dir frei zu leben, viel zu lachen und vieles zu lieben – genau so sollte eine Schwangerschaft, und eigentlich das ganze Leben, erfolgen.

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