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Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung. Es scheint völlig einleuchtend zu sein — das Einatmen von giftiger Luft ist nicht gut für dich (oder für ein sich entwickelndes Baby). Aber wusstest du, dass bestimmte Schadstoffe in der Luft nicht nur die Gesundheit deiner Schwangerschaft beeinträchtigen können, sondern auch deine Fähigkeit, überhaupt schwanger zu werden und schwanger zu bleiben?

Die Forschung verbindet zunehmend die Luftverschmutzung mit verminderter Fruchtbarkeit. Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass Giftstoffe in der Luft die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt, einer Frühgeburt oder der Geburt eines Babys mit zu niedrigem Geburtsgewicht erhöhen können. Insbesondere eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Fertility and Sterility (Fruchtbarkeit und Sterilität) veröffentlicht wurde, ergab, dass schon eine kurzfristige Aussetzung gegenüber erhöhten Stickstoffdioxidwerten (eines Schadstoffes, der überall im Straßenverkehr vorhanden ist) mit einer 16%igen Zunahme von Fehlgeburten verbunden war.

Andere Studien, wie etwa diejenige, die vor einigen Jahren in der Fachzeitschrift Human Reproduction (Menschliche Reproduktion) veröffentlicht wurde, haben in ähnlicher Weise gezeigt, dass eine erhöhte Aussetzung gegenüber Stickstoffdioxid durchgehend mit einer Verringerung des Erfolgs von IVF-Ergebnissen in Verbindung steht, was eine geringere Rate von Lebendgeburten bedeutet.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – was müssen Frauen, die schwanger werden wollen, über die Luftverschmutzung wissen?

Um in diese Forschung einzusteigen und die relevanten Implikationen für Frauen, die sich bemühen, schwanger zu werden, zu erkunden, sprach ich mit Dr. Audrey Gaskins, einer Professorin am Institut für Epidemiologie an der Rollins School of Public Health der Emory University. Dr. Gaskins hat mehrere Studien mitgestaltet, die sich mit dem Einfluss von Ernährung und Umwelt auf die Fruchtbarkeit befassten.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse? Luftschadstoffe können die Fähigkeit einer Frau beeinträchtigen, schwanger zu werden und zu bleiben, und viele Frauen erhalten diese Informationen nicht von ihren Gesundheitsdienstleistern.

Hier ist die Abschrift unseres Interviews, die zugunsten größerer Klarheit etwas bearbeitet wurde.

F&A mit Dr. Audrey Gaskins

Was für eine Art von Fruchtbarkeitsforschung betreiben Sie?

Ich begann vor ein paar Jahren, als ich einen Zuschuss vom National Institut of Health bekam, mit der Arbeit auf dem Gebiet der Luftverschmutzung und ihren Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Meine Arbeit konzentrierte sich vor allem auf spontane Schwangerschaften und ich untersuchte, wie Luftverschmutzung mit einem frühen Schwangerschaftsverlust zusammenhängt. Damals waren die meisten Studien ökologischer ausgelegt — damit meine ich, dass man sich Daten von den Volkszählungen ansah, die zum Beispiel zeigten, dass Frauen, die in Großstädten leben und tendenziell einer höheren Luftverschmutzung ausgesetzt sind, niedrigere Geburtenraten und so weiter haben.

Obwohl dies sozusagen schon auf einen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung und verminderter Fruchtbarkeit bei Frauen hindeutete, gab es noch keine detaillierten Studien, die sich mit diesem Zusammenhang beschäftigten. Ich schlug also vor, diesen Zuschuss dazu zu verwenden, mich auf Frauen zu konzentrieren, die sich der In-vitro-Befruchtung unterzogen. Speziell im Massachusetts General Hospital Fertility Center haben wir ständig eine Kohorte und wir haben uns angeschaut, wie sich die Exposition einer Frau gegenüber Luftverschmutzung in den Monaten vor ihrem IVF-Zyklus — sowie in den ersten Monaten, in denen sie sich einer Behandlung unterzieht — auf ihre Chancen auf eine Schwangerschaft und schließlich auf die Geburt eines lebenden Kindes auswirkt.

Das Schöne am Studium von IVF-Schwangerschaften ist, dass ein großer Teil des Fortpflanzungsprozesses außerhalb des Körpers stattfindet. Neben den klinischen Endpunkten, an denen Patienten und Mediziner aus der Forschungsperspektive sehr interessiert sind, könnten wir uns also auch Dinge wie die Qualität der Embryonen oder die Eizellenqualität ansehen und prüfen, ob wir feststellen können, ob die Luftverschmutzung eine nachteilige Wirkung hat und wenn ja, wo. Wirkt sie sich auf den Eierstock aus? Oder eher auf den sich entwickelnden Embryo? Oder beeinflusst sie die Gebärmutterschleimhaut?

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – was haben Sie über Luftverschmutzung und IVF-Ergebnisse herausgefunden?

Die Ergebnisse dieser Studie wurden in Form einer Abhandlung veröffentlicht. Wir sahen uns ganz allgemein an, wie nah eine Frau an einer größeren Verkehrsstraße lebte und in welchem Zusammenhang das zu ihren IVF-Ergebnissen stand. Die Messung des Abstands von einer größeren Verkehrsstraße war eine Möglichkeit, um die verkehrsbedingte Luftverschmutzung abzuschätzen, denn diese kommt meist vom Straßenverkehr. Wir haben festgestellt, dass Frauen, die näher an den größeren Verkehrsstraßen lebten und einer höheren Belastung durch die verkehrsbedingte Luftverschmutzung ausgesetzt waren, eine geringere Wahrscheinlichkeit von Lebendgeburten nach IVF hatten. Diese Auswirkung schien mit Barrieren im frühen Stadium des Zyklus verbunden zu sein, da diese Frauen nicht gut auf kontrollierte Eierstockstimulation ansprachen. Sie hatten also mehr Zyklen, in denen nichts geschah, oder Zyklen, in denen die Befruchtung schon frühzeitig versagte. Wenn dann ein Embryo übertragen wurde, verzeichneten wir höhere Quoten von Schwangerschaftsverlust; das heißt, dass Frauen, die näher an größeren Verkehrsstraßen lebten, eher einen Abgang hatten bzw. dass ihre Schwangerschaft mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit mit einer Lebendgeburt endete.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – welche Rolle spielt Stickstoffdioxid?

Wir haben uns also tiefergehend mit dieser Frage befasst und haben, anstatt nur einen groben Marker für die Aussetzung gegenüber Schadstoffen zu verwenden, die spezifischen Werte der verschiedenen Luftschadstoffe während jener konkreten Zeitspanne gemessen. Die Abhandlung wird zurzeit gerade von einer Fachzeitschrift geprüft, aber wir haben die Ergebnisse auch schon auf einer Konferenz im vergangenen Herbst präsentiert und im Wesentlichen kamen wir zu ähnlichen Ergebnissen.

Stickstoffdioxid ist in erster Linie ein Marker des Verkehrs; er entsteht durch die unvollständige Verbrennung von Kraftstoff und Benzin. Man kann davon ausgehen, dass die Belastung durch diesen Schadstoff bei den Frauen, die näher an großen Verkehrsstraßen wohnen, höher ist. Dies war auch der Schadstoff, der am stärksten mit scheiternder IVF in Verbindung gebracht wurde.

Bei dieser konkreten Analyse haben wir festgestellt, dass die Auswirkungen von Stickstoffdioxid auf das Versagen der IVF schon in einem frühen Stadium eingetreten sind. Wir wissen nicht, ob das daran liegt, dass die anfälligsten Frauen dazu neigten, frühzeitig zu scheitern, sobald sie diesen hohen Stickstoffdioxidwerten ausgesetzt wurden, oder ob es eine spezifische Einwirkung von Stickstoffdioxid auf die frühe Eizellenentwicklung oder auf die Hormone gibt — in unserer Abhandlung konnten wir diese Dinge nicht wirklich trennen.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – muss eine normale Frau, die schwanger werden will, ihre Belastung durch Luftschadstoffe begrenzen?

Eine Quelle der Luftverschmutzung, der wir so ziemlich alle ausgesetzt sind — vor allem in städtischen Umgebungen — ist der Verkehr. Umweltgesundheitsforscher empfehlen, die Exposition gegenüber Verkehr so stark wie möglich zu verringern. Aber auf einer individuellen Ebene kann man oft nicht viel daran ändern, wo man wohnt und wie stark man Schadstoffen ausgesetzt ist. Doch wenn man sich mit diesen früheren Stadien des Fortpflanzungszyklus beschäftigt, können zum Beispiel junge Menschen, die eines Tages Kinder haben wollen oder dies zumindest in Erwägung ziehen, bewusster vorausplanen, wenn sie wissen, dass die Umwelt ihre Fortpflanzung beeinflussen kann.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – wenn man seinen Lebensstil so ändert, dass man nicht mehr so viel Straßenverkehr ausgesetzt ist — würde man sofort einen Unterschied bemerken?

Es gab eine Reihe von Studien, die in den letzten fünf Jahren bekannt geworden sind, die versucht haben, diese Frage zu beantworten. Eine, die gerade erst letzte Woche veröffentlicht wurde, beschäftigte sich mit akuten Veränderungen der Belastung durch Luftverschmutzung. Es ging dabei um extreme Zustände, bei denen man an einem Tag — aufgrund der Wetterbedingungen und der Art und Weise, wie der Wind weht — eine äußerst hohe Belastung hat und dann am nächsten Tag eine sehr niedrige. Anhand dessen kann man kurzfristige Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Ergebnisse der Schwangerschaft untersuchen. Einige Studien haben belegt, dass, wenn eine Frau akut einer hohen Luftverschmutzung ausgesetzt ist, ihr Risiko eines Schwangerschaftsverlusts erhöht ist. Das scheint darauf hinzudeuten, dass auch Veränderungen von Tag zu Tag wichtig sein könnten.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – wie sieht es mit drastischen Veränderungen der Luftqualität durch Waldbrände oder andere Naturkatastrophen aus?

Ich interessiere mich auch sehr dafür, weil Naturkatastrophen einen einzigartigen Rahmen schaffen können, wo wir die Auswirkungen bestimmter Schadstoffe ganz genau betrachten können. Zum Beispiel bei Waldbränden unterscheiden sich die Schadstoffe stark von denen, die durch den Verkehr entstehen. Möglicherweise können wir im Laufe der Zeit bestimmen, ob ein bestimmter Schmutzstoff wirklich schädlich, aber ein anderer nicht so schlimm ist.

Ich habe mit einigen Kollegen in der Bay Area über die Möglichkeit gesprochen, solche Forschung zu betreiben, und ihr Hauptanliegen ist immer, dass, wenn diese Waldbrände stattfinden, auch das Stressniveau immer extrem hoch ist, und die Unterscheidung, ob Stress oder die hohe Schadstoffbelastung etwas bewirkt hat, wird immer eine Herausforderung sein.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – werden Frauen von ihren Ärzten darüber informiert, wie Umweltfaktoren ihre Fruchtbarkeit und Schwangerschaft beeinflussen können?

Ich würde sagen, dass dieses Thema fast nie angesprochen wird. Es gibt keine Richtlinien des American College of Obstetricians & Gynecologists oder anderen führenden Organisation der Reproduktionsmedizin oder der Gynäkologen und Geburtshelfer in Bezug auf Umweltbelastungen. Daher würde ich sagen, dass dies ein Bereich ist, in dem Frauen im Wesentlichen keine Informationen erhalten. Man muss sich also übers Internet informieren, eigene Recherchen anstellen oder sich mit anderen Leuten darüber unterhalten. Bei den Schwangerschaftsvoruntersuchungen oder jährlichen Kontrollen ist es sehr schwierig, noch ein weiteres Thema einzufügen. Aber zurzeit erhalten Frauen dazu wirklich keinen Rat.

In der Vergangenheit war es sehr schwer festzustellen, welcher Luftverschmutzung man ausgesetzt ist, aber das ändert sich immer mehr — man kann sich über die Luftverschmutzung in seiner Umgebung informieren, indem man sich den Wetterbericht ansieht. Ich denke daher, wenn die Menschen besser informiert werden und die Informationen ihnen leichter zur Verfügung stehen, dass hoffentlich mehr Menschen verstehen werden, welche Auswirkungen die Luftverschmutzung auf die Gesundheit hat und wie sie ihren Lebensstil ändern können, um sie so weit wie möglich zu vermeiden.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – was sollten Frauen sonst noch über die Ernährung oder die Umwelt wissen, wenn es um die Schwangerschaft geht?

Meine Forschung war bisher vor allem der Ernährung gewidmet und wie sie die Fruchtbarkeit beeinflusst. Ich habe mich für die Luftverschmutzung interessiert, weil sie vielfach auf die gleiche Weise wie die Ernährung wirkt. Eine Abhandlung, die wir im letzten Herbst vorgestellt haben — und die jetzt von einer Fachzeitschrift geprüft wird — beschäftigte sich mit der Wechselwirkung zwischen Ernährung und Luftverschmutzung. In diesem Fall haben wir uns mit hohen Mengen von Folsäure beschäftigt, wie sie in den standardmäßigen pränatalen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sind. Wir haben geprüft, ob sie potenziell Frauen auch vor den negativen Folgen der Luftverschmutzung schützen könnten. Und es hat sich tatsächlich bestätigt. Bei Frauen, die viel Folsäure zu sich nahmen, haben wir gesehen, dass die Auswirkungen der Luftverschmutzung wirklich gedämpft waren oder dass es praktisch keine Auswirkungen gab. Dagegen waren bei Frauen mit einer geringeren Aufnahme die Auswirkungen der Luftverschmutzung besonders stark.

Es ist schwierig, die Belastung durch Luftverschmutzung zu verändern. Man kann den Leuten ja nicht sagen, dass sie jeden Tag zu Hause bleiben sollten. Wenn man ihnen aber rät, dass sie versuchen sollten, etwas zu finden, das vielleicht auf individueller Ebene ihre Schadstoffbelastung verringern würde, vermittelt man eine leichter umsetzbare Botschaft zur öffentlichen Gesundheit an die Verbraucher. Und interessanterweise haben sich ähnliche Wechselwirkungen auch bei anderen Umweltchemikalien gezeigt.

Die Fehlgeburt und Luftverschmutzung – welche anderen Umweltchemikalien beeinflussen die Schwangerschaft?

Ein sehr gutes Beispiel ist Bisphenol A oder BPA. Es wird vermutet — und gilt mittlerweile als fast sicher, dass diese Chemikalie Hormonstörungen verursacht. Zahlreiche Studien haben ihre negativen Auswirkungen auf die weiblichen Fortpflanzungsprozesse dokumentiert: angefangen bei den Eierstockreserven bis hin zu den Ergebnissen von Unfruchtbarkeitsbehandlungen. Und wiederum, als wir uns angesehen haben, wie diese Chemikalie mit Folsäure interagiert, sahen wir, dass bei Frauen mit geringer Aufnahme von Folsäure die Auswirkungen von BPA besonders ausgeprägt waren. Das ist also ein wirklich interessanter Bereich der Forschung für die Zukunft, weil BPA bekanntermaßen in Dingen wie der Auskleidung von Dosen und in anderen Konsumgütern vorhanden ist und es eine Herausforderung darstellt, seine Exposition bewusst zu reduzieren.

 

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