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Coronavirus: Solltest du wegen COVID-19 aufhören zu versuchen, schwanger zu werden?

getting pregnant with coronavirus

Essentielles zum Mitnehmen

  • Frühe Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass du COVID-19 wahrscheinlich nicht an deinen Fötus oder dein Neugeborenes weitergeben wirst.
  • Vermeide es, schwanger zu werden, wenn du dem Coronavirus ausgesetzt bist.
  • Die Pandemie kann den Zugang zur pränatalen Versorgung einschränken.

In den letzten Wochen haben die Nachrichten über das Coronavirus – und die Angst davor, was die globale Pandemie für unser Leben und unsere Gesundheit bedeuten könnte – fast jede Stunde unseres Tages beeinflusst. Es herrscht in diesen Tagen eine enorme Unsicherheit bezüglich aller möglichen Dinge und das trifft ganz besonders dann zu, wenn du versuchst, schwanger zu werden, oder wenn dein Baby bereits auf dem Weg ist.

Beeinflusst das Coronavirus deine Fähigkeit, schwanger zu werden? Solltest du aufhören zu versuchen, in einer Zeit wie dieser, schwanger zu werden? Lies weiter, um die aktuellsten Informationen über alles zu erhalten, was Ärzte und Wissenschaftler bisher über COVID-19 – die durch das Coronavirus verursachte Krankheit – und ihre möglichen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Gesundheit von Müttern und Föten in Erfahrung gebracht haben. Wir sind hier, um dich mit Informationen zu wappnen, damit du entscheiden kannst, ob du vorläufig lieber mit den Versuchen aufhören möchtest, schwanger zu werden.

Was ist das Coronavirus und COVID-19?

Am 11. März hat die Weltgesundheitsorganisation den Ausbruch des Coronavirus zu einer globalen Pandemie erklärt. Das Virus hinter der aktuellen Pandemie gehört zu einer Familie von Coronaviren. Es ist verwandt mit zwei Coronaviren, die schon in der Vergangenheit schwere Ausbrüche verursacht haben – dem Coronavirus, welches das schwere akute Atemwegssyndrom verursacht (SARS-CoVCoV), und dem Nahost-Atemwegssyndrom-Coronavirus (MERS-CoVs). Das neue Coronavirus scheint im Vergleich zu den vorgenannten zu einer weitaus weniger schweren und tödlichen Erkrankung zu führen.

COVID-19 infiziert die unteren Atemwege. Die Patienten entwickeln zunächst Fieber, Husten und Schmerzen; andere Symptome sind Halsschmerzen, Kopfschmerzen, und Übelkeit.

Das Durchschnittsalter der Patienten, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden, liegt bei 49 bis 56 Jahren, und eine knappe Hälfte davon hatte eine Vorerkrankung. Die meisten Patienten (54-73 %) sind Männer, obwohl Wissenschaftlern nicht klar ist, warum.

Beeinflusst COVID-19 die Fruchtbarkeit?

Wir haben im Moment so wenig Informationen, dass es unmöglich ist, solche Dinge zu wissen. Du solltest zu diesem Zeitpunkt alles, was du online über COVID-19 und Fruchtbarkeit liest, mit einer gesunden Skepsis betrachten.

Zum Beispiel legt eine Forschungsarbeit, die online von einem Fruchtbarkeitszentrum in Wuhan, dem Epizentrum des Ausbruchs, veröffentlicht wurde, nahe, dass COVID-19 eine Immunantwort bei Männern hervorrufen könnte, die zu Hodenentzündungen und möglicherweise zu einer verringerten Spermienzahl führt. Aber die chinesische Regierung löschte den Beitrag schnell, was es unmöglich machte, sich tiefer in die Forschungsarbeit einzulesen, geschweige denn irgendwelche aussagekräftigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Seriöse medizinische Einrichtungen, wie das American College of Obstetricians and Gynecologists und die CDC, haben bisher keine Informationen über die möglichen Auswirkungen von COVID-19 auf die Fruchtbarkeit herausgebracht.

Bin ich anfälliger für COVID-19, wenn ich schwanger bin?

Basierend auf dem, was wir über ähnliche Coronavirus-Ausbrüche (SARS und MERS) aus der Vergangenheit wissen und wegen der Art und Weise, wie eine Schwangerschaft das Immunsystem unterdrückt, sind schwangere Frauen eine „Risikopopulation“ für COVID-19, bemerkte ACOG letzte Woche in einem neuen Bulletin.

Wie The Lancet weiter erklärte, „sind schwangere Frauen anfällig für Atemwegserreger und die Entwicklung schwerer Lungenentzündungen, was sie möglicherweise anfälliger für COVID-19-Infektionen macht als die Allgemeinbevölkerung, besonders wenn sie chronische Krankheiten oder Schwangerschaftskomplikationen haben.“

Eine Schwangerschaft unterdrückt das Immunsystem und verursacht physiologische Veränderungen (erhöhten Sauerstoffverbrauch, angehobenes Zwerchfell), was die Schwangere besonders anfällig für Atemwegserreger und schwere Lungenentzündungen macht.

Wenn du schwanger bist oder schwanger wirst, solltest du immer mehr Vorsichtsmaßnahmen in Bezug auf Probleme wie die Grippe treffen – und der jüngste Ausbruch des Coronavirus unterstreicht die Bedeutung davon, lieber ganz sicher zu gehen, wenn es um deine Gesundheit geht. Vermeide Menschenmengen, übe gute Gesundheitshygiene und distanziere dich von zwischenmenschlichen Kontakten.

Könnte sich die Pandemie auf meine Entbindung auswirken?

Wenn wir die Vergangenheit als Leitfaden nehmen, wird dies wahrscheinlich der Fall sein. Während des SARS-Ausbruchs schränkten beispielsweise die Krankenhäuser die Zahl der Besucher stark ein, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Patientinnen durften während der Wehen und der Geburt nur eine Person dabei haben und nach der Entbindung waren keine Besucher mehr erlaubt.

Frauen wurden nach der Entbindung schneller als üblich nach Hause geschickt und gebeten, sich selbst für 10 Tage unter Quarantäne zu stellen – auch wenn sie keine Symptome zeigten und nicht positiv auf SARS getestet worden waren.

Kann ich COVID-19 an meinen Fötus oder mein Neugeborenes weitergeben?

Die kurze Antwort: Es sieht nicht danach aus, aber wir wissen es noch nicht.

Eine kleine Studie mit nur neun schwangeren Frauen in der chinesischen Wuhan-Region, die positiv auf Coronavirus getestet wurden, fand keine Nachweise dafür, dass das Virus in der Gebärmutter von den Müttern an die Föten weitergegeben wurde.

Die neun Frauen waren alle in ihrem dritten Trimenon, als sie diagnostiziert wurden. Die Forschungsarbeit wurde letzten Monat in The Lancet veröffentlicht. Die Frauen hatten die gleiche Art von Symptomen wie nicht schwangere Frauen mit COVID-19. Die häufigsten Symptome waren Fieber und Husten und alle bekamen auch eine Lungenentzündung.

Die Frauen gebärten durch Kaiserschnitte und brachten insgesamt 10 Babys zur Welt (eine Frau hatte Zwillinge). Sechs der Säuglinge kamen verfrüht und vier waren voll ausgetragen.

Als Ärzte im Operationssaal Labortests an sechs Müttern und ihren Neugeborenen durchführten (wir wissen nicht, warum sie nicht alle getestet haben), fanden sie keine Hinweise auf Coronavirus im Nabelschnurblut, Fruchtwasser oder an Rachenabstrichen der Neugeborenen. Das Virus wurde auch nicht in der Muttermilch gefunden.

Andererseits hast du vielleicht vor Kurzem den Nachrichtenbericht über einen einen Tag alten Säugling gesehen, bei dem COVID-19 diagnostiziert wurde. Die Geschichte, die in den chinesischen Staatsmedien und in den Nachrichten hier erschien, war der erste uns bekannte Bericht, der auf eine vertikale Übertragung hinzudeuten scheint.

Von vertikaler Übertragung spricht man, wenn eine Mutter einen Erreger (in diesem Fall den Coronavirus) über die Plazenta, die Muttermilch oder durch direkten Kontakt während oder nach der Geburt an ihren Fötus oder ihr Neugeborenes weitergibt.

Wie die Forscher in dem im The Lancet veröffentlichten Artikel feststellen, wurde jedoch der „Rachenabstrich des infizierten Neugeborenen etwa 30 Stunden nach der Geburt entnommen und stellte daher keinen direkten Nachweis für eine intrauterine Infektion dar.“

Die Quintessenz im Moment: „Zurzeit gibt es keine Beweise dafür“, dass du COVID-19 an deinen Fötus oder dein Neugeborenes weitergeben kannst.

Könnte COVID-19 meinem Neugeborenen schaden?

Nach unserem bisherigen Kenntnisstand ist das möglich. Untersuchungen an diesen 10 chinesischen Neugeborenen und ihren Müttern zeigten, dass COVID-19 mit vorzeitiger Wehen im Zusammenhang stand und die Gesundheit der Neugeborenen beeinträchtigte, was folgende Auswirkungen hatte:

  • Fetaler Distress
  • Atemnot
  • Thrombozytopenie (niedriger Blutplättchenspiegel)
  • Abnorme Leberfunktion

Alle Neugeborenen wurden in die Krankenhauspflege aufgenommen. Leider starb ein Baby.

Dies ist jedoch ein winziges Probebeispiel, das uns nur sehr wenige Informationen liefert, auf die man sich stützen kann. Es muss noch viel mehr geforscht werden, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesundheit von Müttern und Föten vollständig zu verstehen.

Solltest du wegen des Coronavirus aufhören zu versuchen, schwanger zu werden? 

Letztendlich ist dies eine äußerst persönliche Entscheidung. Obwohl es schwierig ist vorherzusagen, wie lange die Pandemie andauern wird, werden Störungen der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Gesundheitswesens zur neuen Normalität – und können für einige Zeit anhalten.

ACOG rechnet mit Engpässen bei medizinischem Personal, Schutzausrüstung, Isolationsräumen und medizinischer Versorgung. Die Pandemie kann den Zugang zur pränatalen Versorgung erschweren. ACOG rät Geburtshelfern und Gynäkologen, angesichts der zu erwartenden Engpässe, wo immer möglich, Telemedizin zu nutzen, um die vorgeburtliche Versorgung zu gewährleisten und das Übertragungsrisiko zu verringern.

Es ist erwähnenswert, dass während des SARS-Ausbruchs manche Krankenhäuser geburtshilfliche Dienstleistungen, die sie für nicht wesentlich hielten, wie zum Beispiel routinemäßige Ultraschalluntersuchungen, aufschoben. Im Allgemeinen besuchen Schwangere ansonsten häufiger ihre Ärzte, und wir könnten einige der gleichen Einschränkungen bei COVID-19 sehen.

Sollte ich aufhören zu versuchen, schwanger zu werden, wenn ich jemandem mit COVID-19 ausgesetzt war?

Wenn du glaubst, dass du COVID-19 ausgesetzt warst, wenn du einige der Symptome hast oder wenn du bereits erkrankt bist, solltest du es vermeiden, gerade jetzt schwanger zu werden, empfiehlt ein aktuelles Bulletin von der American Society for Reproductive Medicine. Diese Empfehlungen gelten auch, wenn du planst, einen Eizellen- oder Samenspender zu nutzen, um schwanger zu werden, oder eine Ersatzmutter, um die Schwangerschaft auszutragen.

ASRM empfiehlt weiterhin, dass Frauen, bei denen der Coronavirus diagnostiziert wird, während sie sich einer Behandlung gegen Unfruchtbarkeit unterziehen, das Einfrieren aller Eizellen oder Embryos in Betracht ziehen sollten. ASRM schlägt auch vor, die Übertragung von Embryonen aufzuhalten, bis ein Arzt feststellt, dass du nicht an COVID-19 erkrankt bist.

 


Quellen anzeigen

Sonja A. Rasmussen, John C. Smulian, John A. Lednicky, Tony S. Wen, Denise J. Jamieson. Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) and Pregnancy: What obstetricians need to know, American Journal of Obstetrics and Gynecology, Available online 24 February 2020.

Huijun Chen, Juanjuan Guo, Chen Wang, Fan Luo, Xuechen Yu, Wei Zhang. Clinical characteristics and intrauterine vertical transmission potential of COVID-19 infection in nine pregnant women: a retrospective review of medical records. The Lancet, Volume 395, Issue 10226, pages 809-815, March 7, 2020.

Jie Qiao. What are the risks of COVID-19 infection in pregnant women? The Lancet, Volume 395, Issue 10226, pages 760-762, March 7, 2020.

Huaping Zhu, Lin Wang, Chengzhi Fang, Sicong Peng, Lianhong Zhang, Guiping Chang, Shiwen Xia, & Wenhao Zhou. Clinical analysis of 10 neonates born to mothers with 2019-nCoV pneumonia. Translational Pediatrics, Volume 9(1), pages 51–60, February 9, 2020.

American College of Obstetricians and Gynecologists’ Immunization, Infectious Disease, and Public Health Preparedness Expert Work Group. Practice Advisory: Novel Coronavirus 2019 (COVID-19), March 13, 2020.

American Society for Reproductive Medicine. COVID-19: Suggestions On Managing Patients Who Are Undergoing Infertility Therapy Or Desiring Pregnancy. March 2020.

Mandy Zhuo. Coronavirus: Hubei government deletes report claiming Covid-19 could damage male fertility. South China Morning Post, March 12, 2020.

Nelson Oliveira. 1-day-old baby becomes youngest person with coronavirus as doctors fear pregnant women can pass illness to unborn kids. New York Daily News, February 5, 2020.3

Nicole Knight

Nicole Knight is a California-based freelance healthcare writer and award-winning journalist. Her bylines have appeared in the Guardian, Los Angeles Times, and Rewire.News, among others. She is a member of the Association of Health Care Journalists and the American Society of Journalists and Authors. Find her on Twitter @nicolekshine.

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