AvaWorld

Der Menstruationszyklus

Brauche ich einen Periodentracker? (8 Dinge, die du durch dein fünftes Vitalzeichen feststellen kannst)

Die Tochter meiner Freundin bekam im letzten Jahr im Alter von 12 Jahren erstmals ihre Periode. Als ihre erste Monatsblutung — auch Menarche genannt — vorbei war, schaute sie ihre Mutter an, verdrehte die Augen und stöhnte.

„Ich kann nicht glauben, dass das jedes Jahr passiert“, sagte sie.

Das ist richtig: Mama hatte gesagt Monat.. Sie hörte Jahr.

Ja, Monatsblutungen können unangenehm, lästig und ein frustrierendes Tabu sein. Doch heute achten Frauen mehr denn je auf ihre Menstruationszyklen. Wenn du in letzter Zeit eine Zeitschrift zur Hand genommen oder durch dein Newsfeed gescrollt hast, hast du es wahrscheinlich schon bemerkt: Periodentracking ist in Mode.

Aber außer um dich wissen zu lassen, wann du schwarze Hosen statt weißer tragen solltest, hat das Nachverfolgen deines Zyklus denn irgendwelche Vorteile?

Die kurze Antwort? Ja.

Tatsächlich gibt es eine Basisbewegung unter den Forschern und Medizinern, die glauben, dass der weibliche Menstruationszyklus — der in wissenschaftlichen Studien lange ignoriert wurde und notorisch zu wenig erforscht war — das „fünfte Vitalzeichen“ des allgemeinen Gesundheitszustandes ist. (Bis 1993 war es nicht einmal gesetzlich vorgeschrieben, dass Frauen in klinische Studien einbezogen werden.)

Wir werden hier auf 8 Dinge eingehen, die du aus der Verfolgung deines fünften Vitalzeichens lernen kannst.

Lerne deine einzigartige Zykluslänge und dein Muster kennen

Hast du einen normalen Zyklus? Diese Antwort hängt natürlich davon ab, wie man „normal“ definiert. Die Länge eines Menstruationszyklus ist die Anzahl der Tage zwischen dem ersten Tag der Regelblutung eines Zyklus und dem Beginn der Regelblutung des nächsten Zyklus. Die mittlere Länge eines Menstruationszyklus beträgt 28 Tage, wobei die meisten Zykluslängen zwischen 25 und 30 Tagen liegen.

Zunächst ein kurzer visueller Überblick über die Phasen deines Zyklus.

Aber was für die gesamte weibliche Bevölkerung im Schnitt „normal“ ist, ist ziemlich irrelevant für das, was für dich persönlich normal ist. Verspätet sich deine Regelblutung leicht, wenn du ungewöhnlich viel Stress im Beruf oder bei Auslandsreisen hast? (Das ist bei vielen Frauen so.)

Wenn dein Zyklus unregelmäßig ist, das heißt, dass er länger oder kürzer ist als etwa alle 28 Tage, hast du dann vielleicht ein zugrundeliegendes Problem, das behandelt werden sollte?

Wenn du deinen Zyklus verfolgst, kannst du feststellen, was für dich „normal“ ist.

Erkenne körperliche Symptome, die mit deinem Zyklus verbunden sind

 

Bist du in einer bestimmten Phase deines Zyklus hungriger?

Viele Frauen finden, dass sie während der Lutealphase im Vergleich zur Follikelphase des Menstruationszyklus hungriger sind und mehrere Studien unterstützen die Hypothese, dass Frauen während der Lutealphase zu einer höheren Kalorienaufnahme neigen.

Warum? Studien (wie diese , die im European Journal of Nutrition veröffentlicht wurde) legen nahe, dass Progesteron den Appetit während des Zyklus stimulieren und Östrogen den Appetit unterdrücken kann.

Weist du ein Muster von Magen-Darm-Problemen im Zusammenhang mit deinem Zyklus auf?

Das ist bei vielen Frauen der Fall. Gemäß dieser Studie, die in BMC Women’s Health veröffentlicht wurde, haben 73 % der teilnehmenden Frauen entweder kurz vor oder während ihrer Periode eine der primären gastrointestinalen Beschwerden: Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung.

Erkenne eventuelle Stimmungsschwankungen in den verschiedenen Phasen deines Zyklus

 

Es ist seit Langem bekannt, dass Östrogen mit der Stimmung verbunden ist und Wissenschaftler untersuchen seit über 50 Jahren den Zusammenhang zwischen dem Menstruationszyklus und dem psychischen Wohlbefinden. Doch es gibt noch sehr viel, was wir nicht wissen.

Hier ist, was wir wissen:

  • Die Amygdala, der Hippocampus und andere Teile des Gehirns, die an der Stimmungsregulierung beteiligt sind, zeigen durchgehend eine Sensitivität gegenüber den sich verändernden Konzentrationen von Sexualhormonen wie Östrogen.

Obwohl man den genauen Zusammenhang zwischen Stimmungsregulierung und schwankenden Hormonen noch nicht gut versteht, so ist doch klar, dass es einen Zusammenhang gibt.

Wenn du deinen Zyklus verfolgst, kannst du Muster und Verbindungen erkennen, die für dich persönlich wertvoll sind. Neigst du einige Tage vor deiner Periode zu Anspannungen? Wenn ja, kannst du dich darauf einstellen und dafür sorgen, dass du dich mehr ausruhen kannst, so gut wie möglich Stress reduzierst oder einplanst, während dieser Zeit etwas Gutes für dich zu tun.

Wissen ist Macht und wenn du weißt, wo du dich in deinem Menstruationszyklus befindest, werden dir auch deine körperlichen und emotionalen Muster besser bewusst. Wenn du das Warum hinter deinen Veränderungen beim Appetit oder deinen Stimmungsschwankungen verstehst, wirst du viel besser gerüstet sein, das Wie zu bewältigen.

Werde dir eventuell zugrunde liegender Gesundheitsprobleme bewusst

 

Hast du starke Blutungen? Fallen deine Monatsblutungen manchmal aus? Hast du Bauchschmerzen oder andere Beschwerden, die vielleicht untersucht werden sollten? Das trifft sicherlich nicht für jede Frau zu, aber wenn du deinen Zyklus verfolgst, kannst du feststellen, ob körperliche Beschwerden oder Schmerzen mit deinem Menstruationszyklus in Verbindung stehen.

Es kann dir auch helfen, festzustellen, ob du einen Eisprung hast oder nicht. Viele Frauen gehen davon aus, dass sie, wenn ihr Zyklus etwa 28 Tage beträgt, auch einen Eisprung haben. Aber das ist nicht immer der Fall, da es möglich ist, Durchbruchblutungen zu haben. Dr. Jerilynn Prior, Professorin für Endokrinologie und Stoffwechsel an der University of British Columbia, weist in ihren Forschungsarbeiten darauf hin, dass der Eisprung bei Frauen sehr variabel ist.

Dr. Prior hat eine umfangreiche Studie an über 3.100 gesunden, regelmäßig menstruierenden Frauen im Alter von 20 bis 49,9 Jahren durchgeführt und festgestellt, dass nur 63 % dieser Frauen während des getesteten Zyklus ovulierten, was bedeutet, dass 37 % von ihnen nicht ovulierten und einen sogenannten „anovulatorischen“ Zyklus hatten.

Erfasse Daten, die du deinem Arzt vorlegen kannst

 

Wenn du täglich Daten über deinen Zyklus und deine körperliche und emotionale Gesundheit aufzeichnest, hast du bald eine kleine Datenbank von Informationen, die du an deinen Arzt weitergeben kannst.

Erfahre, wann du dein fruchtbares Fenster hast

 

Immer öfter entscheiden sich Frauen für Zyklustrackinggeräte, um ihr fruchtbares Fenster festzustellen.

Wenn du Periodenverfolgung für diesen Zweck verwenden willst, wähle auf jeden Fall ein Gerät, das klinisch geprüft ist und sich als wirksam erwiesen hat, da einige Studien wie zum Beispiel diese, die in der Fachzeitschrift des American Board of Family Medicine veröffentlicht wurde, gezeigt haben, dass einige es nicht sind (siehe dazu unseren vollständigen Beitrag zu Eisprungtrackern).

In Bezug auf Schwangerschaft kursieren außerdem sehr viele Fehlinformationen durch die Bevölkerung — lerne daher die Fakten zur Fruchtbarkeit kennen.

Maximiere deine körperliche Leistungsfähigkeit

 

Die Forscher beginnen allmählich zu verstehen, wie sich der Menstruationszyklus möglicherweise auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Studien haben gezeigt, dass bei Sportlerinnen während der Lutealphase und den ersten Tagen der Menstruation öfter Sportverletzungen auftreten. Eine andere Studie ergab zudem, dass starke Monatsblutungen bei Leistungssportlerinnen mit Anämie, Eisenmangel und Verlangsamung der Leistungen verbunden sind.

Es bedarf noch weiterer Untersuchungen, um festzustellen, ob dies auch für Frauen relevant ist, die keine Leistungssportlerinnen sind, aber wenn du deine eigenen Daten aufzeichnest, kannst du feststellen, ob diese Faktoren für dich persönlich irgendwelche Auswirkungen haben.

Plane größere Unternehmungen für Zeiten ein, in denen du dich am besten fühlst

 

Manche Frauen, die psychisch (Angst, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen) oder physisch (Blähungen, Krämpfe, starke Blutungen) unter ihren Menstruationszyklen leiden, möchten genau wissen, wann ihre problematische Phase des Menstruationszyklus eintreffen wird, damit sie vorausschauend planen können.

Doch wie viele Frauen werden eigentlich durch ihren Zyklus so stark eingeschränkt, dass es ihnen schwer fällt, zur Arbeit zu gehen oder an gesellschaftlichen Anlässen teilzunehmen?

Mehr als man denkt. Intensive Schmerzen und starke Blutungen plagen etwa ein Drittel der Frauen. Laut dieser Studie der Nordischen Föderation der Gesellschaften für Geburtshilfe und Gynäkologie, die 1.547 Frauen untersuchte, hatten

  • 32 % starke Blutungen

und von diesen Frauen sagten

  • fast 25 %, dass sie wegen dieser Blutungen gesellschaftlichen Anlässen fernbleiben,
  • über 90 %, dass sie es als sehr unangenehm empfinden und
  • 16 %, dass sie sich deshalb von der Arbeit freistellen lassen.

Wir lernen immer noch so viel über den Menstruationszyklus. Wenn es um die reproduktive Gesundheit von Frauen geht, kämpfen wir immer noch einen harten Kampf gegen langjährige Mythen und kulturelle Tabus. Hier bei Ava ist es unsere Mission, Frauen mit den aktuellsten Informationen über ihre reproduktive Gesundheit zu versorgen und ihnen Mut zu machen.  Mach mit!

Möchtest du mehr erfahren?

Related posts

Related posts

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information Accept

This site is using first and third party cookies to be able to adapt the advertising based on your preferences. If you want to know more or modify your settings, click here. By continuing to use the site, you agree to the use of cookies.